Montag, 10. Februar 2014

#8: Warum die deutsche Filmindustrie durchschnittlich (schlecht) ist

Um mal korrekt anzufangen: Nein, das heißt nicht, dass es nicht deutsche Filmklassiker gibt wie bsw. "Metropolis" oder "Das Boot" oder sonstige erstklassige Filme wie "Das Experiment" oder "Das Leben der Anderen". Und ich sollte wohl nicht die Liste der schlechten deutschen Filme aufzählen, denn das würde den Rahmen sprengen.

Manchmal wenn ich amerikanische Filme/Serien gucke, wundere ich mich doch stark, warum solche Arten von Film nicht bei uns in Deutschland gedreht werden könnten. Ich spreche dabei überhaupt nicht von gigantischen Budget-Fressern wie Superhelden-, Sci-Fi- oder kostspieligen Actionfilmen mit reichlich CGI. Ich rede von den Genres wie Drama, Thriller, Horror, Komödie, also eher solche, die relativ billig zu machen sind (was die drei vorher genannten nicht ausschließt). Ich habe über dieses Thema eine lange Weile nachgedacht und auch reichlich in Foren rumgelesen, um andere Meinungen dazu zu bekommen. Wie ich so bin, werde ich die genannten Möglichkeiten für sich ausdiskutieren und am Ende ein kleines Fazit abgeben.

1. Es fehlt das Talent

Dies ist einer der ersten aufkommenden Punkte: "All die ganzen Talente sind oder gehen nach Hollywood, wodurch uns an Qualitätsleuten fehlt !". Man kann natürlich nicht abstreiten, dass so ziemlich die meisten der berühmten Namen im Filmbusiness in Hollywood arbeiten, dies heißt aber nicht, dass die hiesige Szene komplett leer ist. Ein gutes Beispiel hierfür wäre Daniel Brühl, der alleine im letzten Jahr mit seiner Beteiligung in "Rush" internationale Aufmerksamkeit errungen hat (nicht, dass er davor komplett unbekannt war, aber vor allem mit diesem Film ist er stark in der Achtung internationaler Kritiker und Zuschauer gestiegen). Von den deutschen Filmen, die ich sah, gab es noch reichlich weitere Leute, die keinesfalls miserabel in ihrer Darstellung waren und das Zeug hätten, durchaus Rollen in größeren Filmen zu übernehmen. Bei Regisseuren dasselbe: Ob man ihn mag oder nicht, aber Roland Emmerich ist ein international bekannter Regisseur, der mit Effekten kaum schlechter umgehen kann als ein Michael Bay. Auch hier bin ich mir sicher, dass es durchaus nicht wirklich an Talenten fehlt.

2. Das Budget-Problem

Wann hat jemand von euch zuletzt von einem deutschen Film gehört, der mehrere Millionen Euro kostete ? Damit meine ich Kosten in Höhe von nicht weniger als 100 Mio...dachte ich mir. Und das obwohl der deutsche Filmfonds geholfen hat, Blockbuster wie "Mission Impossible 2" zu finanzieren. Oder "Terminator 3". An Geld scheint es wohl nicht zu fehlen.

3. In den Chefetagen fürchtet man Kreativität

Kann sich noch jemand an "Wir sind Helden" von RTL erinnern ? Was wurde da Radau gemacht um die erhöhten Kosten für einen Fernsehfilm und ebenso um die fehlende Qualität eben dieses. Was vor allem nun in Übermaßen bei uns produziert werden sind Reality-TV-Formate, meist anspruchslose Thriller oder "rom-coms" - zu 99 Prozent uninspiriert und den Zuschauer überfütternd. Anstatt eines gesunden Ausgleichs bekommt man regelrecht "fast food" vorgeschoben. Womit ich auch schon in Punkt 4 übergehen will:

4. Der sinkende Anspruch des Zuschauers

Man wählt sein Programm wie Filme schließlich mit der Fernbedienung, bzw. dem Geld (auch wenn jetzt jeder Rundfunkgebühren zahlen muss). Jedenfalls zeigen Quoten von zweifelhaften und qualitativ fragwürdigen Formaten, dass die allgemeine Masse gerne und oft auf Trash setzt, der sogar mehrere Wochen lang das Gesprächsthema im öffentlichen Fokus bestimmen kann. Die Sender selbst sind aber auch nicht komplett unschuldig, da sie eingekaufte ausländische Serien meistens ins Nachtprogramm verbannen, wo diese verständlicherweise nur maue Quoten sammeln können. Von daher sind sehr viele Zuschauer schuld, aber nicht ganz ohne Grund seitens derer, von denen sie ihre Unterhaltung beziehen.

5. Fehlende Vertriebsmöglichkeiten

Die RTL Group ist das größte europäische Medienuternehmen, es gibt 4 staatliche Filmhochschulen, etliche Theaterbühnen, das weltweit bekannte Studio Babelsberg, es gibt Filmförderungen in den jeweiligen Bundesländern und auch eine für Deutschland insgesamt - es gibt zumindest alle notwendigen Möglichkeiten, um zumindest europaweit etabliert zu sein, was ja auch kein kleiner Markt ist. Dennoch ist die allgemeine Produktion umgekehrt proportional zu den Voraussetzungen, um diese erfolgreich zu gestalten.

Zum Schluss möchte ich sagen, dass dies ein Thema ist, das schon seit langer Zeit viel diskutiert wird und man nie wirklich eine eindeutige Antwort finden kann. Ja, das ist etwas "Galileo Mystery"-artig...an sich ist es womöglich eine Mischung aus all diesen und weiteren Faktoren, wobei einer davon für mich vermutlich die größte Rolle spielt, nämlich der persönliche mit dem Zuschauer. Ich selbst habe das deutsche Fernsehen schon lange aufgegeben und spiele mit dem Gedanken, es mit dem deutschen Film gleich zu tun - es ist nicht aus Hass oder Verachtung, sondern wohl eher Resignation. Ich gebe zu, dass dies bedeutet, dass ich (wie eben die Masse) gar nicht mehr oder nur sehr schwer an eine tolle Produktion aus "good old Germany" glaube und mich einfach ausländischen Sachen widme, was aber auch nicht die Wende bewirken wird. Ich denke, dass wenn der allgemeine Durchschnittszuschauer nach mehr Qualität verlangen wird, und das nicht nur in Gedanken oder vor seinen Freunden, sondern vor allem mit seinem Geldbeutel (da, wo es Studios wirklich trifft), dann wird er eventuell eine Wirkung erzielen. Aber solange er weiterhin Rosamunde Pilcher-/Til Schweiger-/Mathias Schweighöfer-Filme und TV-Formate wie "Der Bachelor" oder "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus !" schaut, wird sich an der Gesamtsituation rein gar nichts ändern. Es wird eher schlimmer. 

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