Sonntag, 18. März 2012

Vom Autor für Autoren ("Kreatives Schreiben am HUMA 2012")

Zuallererst: Hätte nie gedacht, so ein Feedback für einen Beitrag zu bekommen. Nicht, dass alles unbedingt in Honig geschmiert sein muss, aber das war schon sehr...interessant. Mal wollt ihr mich weniger kritisch haben und nun war ich nicht kritisch genug. Ziemlich wählerisch, das Publikum^^

OK, dann fange ich an dieser Stelle damit an, die Atmosphäre des Abends zu beschreiben: Das Publikum war in der Bibliothek etwas halbkreisartig um ein improvisiertes Podest verteilt, wobei am Podest selbst eine Lampe (vom Vorträger ausgesehen) von links nach rechts leuchtete. Dummerweise saß ich genau im Leuchtstrahl dieser Lampe, weswegen ich die Autoren meistens eher hörte als sah...aber das wollt ihr alle ja nicht hören, ihr wollt alle stattdessen, dass ich die Werke der Autoren an sich kritisiere.

Bevor ich das aber tu (jaja, ich ziehe es hinaus, ich weiß), möchte ich eins sagen (was eigentlich selbstverständlich ist): Meine Bewertungen sind rein subjektiv und haben rein gar nichts zu bedeuten. Nur weil ich eine/mehrere Geschichte(n) nicht gut fand, heißt es nicht, dass sie schlecht ist/sind. Nicht, dass ich mir dann nachher Vorwürfe anhören muss. Und ich werde auch keinen beim Namen nennen, lediglich andeuten. Ich mach es nach der Reihenfolge, wie sie alle im beigelegten Heft stehen (danke dafür !).

"Der böse Zufall": Klang für mich nicht wie der billigste Horrorfilm (Mädels werden an einem Abend Opfer von bösen Zufällen), sondern sogar besser als der Großteil aller "Fear Streets" (DAS sind so ziemlich die klischeebelasteten Horrorgeschichten überhaupt). Fand ich insgesamt solala, aber das Ende...ist für mich viel zu abrupt.

"Die Geschichte darüber, wie Wim sich des Nachbars Kater annahm": Der Stil war einfach klasse, denn ich sehe in letzter Zeit viel zu selten, dass jemand so geschickt Ausdrücke in Sätze verpacken kann. Dabei klingt es auch nicht erzwungen, "gekonnt" ist das treffsichere Stichwort für diese umständliche Beschreibung einer klasse Kurzgeschichte.

"Familienidylle": Irgendwie stehe ich dieser Geschichte gespalten gegenüber. Ich weiß nicht, ob ich es als eine Art ausdrucksstarken Hilferuf deuten soll (wahrscheinlich denke ich aber auch zu weit) oder als eine clevere Nachmittagsarbeit getarnt als Frauengeschichte und doch so präsent in unserer Gesellschaft (ich kenne selbst einige solcher Leute). In jedem Fall finde ich sie sehr interessant, könnte man vielleicht etwas weiter ausbauen, aber dann will ich auch ein Buch sehen !

"Die Zeit der Stinte" (kein Rechtschreibfehler, so steht es auch im Heft): Ich glaube, dass die Autorin das Zähe der Ehe einfangen wollte. Der Zeitpunkt, wo beide am Ende ihres Lebens und einander satt geworden sind und doch keiner der beiden in der Lage ist, dem nun entstandenem Vakuum zu entkommen. Mann und Frau fühlen sich immernoch, wenn auch widerwillig, aneindander gebunden, auch wenn die Zeit diesen Bund längst rostanfällig gemacht hat. Ist nicht so mein Fall, fand ich aber dennoch gut.

"Hast du immer noch so lange Haare ?": Das sollte eine der ersten Überraschungen des Abends werden, denn so eine Story habe ich vom Autor nicht erwartet. Ein Junge schreibt aus der Perspektive eines Mädchens ? Ja...ich fands nicht wirklich gut, ich kam einfach nicht in die Geschichte rein. Das Ganze klang für mich irgendwann einfach nur zu durcheinander (Anonymous, Stalker ?), obwohl ich bei der Stelle, wo die Protagonistin die Schule sieht, ziemlich breit grinsen musste. Wirklich nicht mein Fall, ich habe einfach nicht gesehen, wohin es abdriftet.

"Nominalprotest": Das ist eine der Geschichten, die man nicht vorgelesen hat, die aber im Heft gelandet sind. Und...es klingt wie eine dieser Frauen-Sitcoms. Sie haben ihr Publikum und ich gehöre nicht dazu, von daher...mag ich diese Geschichte überhaupt nicht. Meiner Meinung nach hätte man die Bar-Geschichte dieses Autors reinnehmen können, die hatte wenigstens Konflikt und eine sehr toll beschriebene Atmosphäre.

"Endlich zurück": Keinerlei Respektlosigkeit gegenüber der Autorin (was sie hoffentlich auch nicht so auffassen wird), aber ihr Werk kam für mich rüber wie eine Kindererzählung. Wenn es beabsichtigt war, dann ziehe ich den Hut vor ihr und wenn nicht...erneut, war nur meine Wahrnehmung. Und an Kindererzählungen ist an sich nichts auszusetzen, aber ich persönlich kann nicht mehr sehr viel damit anfangen.

"Der Trott und die Maus": Vielleicht liegt es daran, dass ich den Autor sowieso schon als Philosoph ansehe, aber das hier war eindeutig durchdacht und nichts schien dem Zufall überlassen worden zu sein; praktisch Schritt für Schritt geplant, ebenso wie alle möglichen Interpretationen, die man so wahrnehmen kann. Fand ich klasse !

"Große Vögel": Unbestritten ist hier der Einfluss von "Der Zauberer von Oz" und "Herr der Ringe", deren Muster sich hier erkennen lassen. Das Problem war einfach nur, dass es eine gute Einleitung war, die auf eigenen Füßen nicht als Geschichte durchgehen kann. Wenn, dann müsste man das Universum in folgenden Kapiteln expandieren und nicht bei den Adlern stehenbleiben. Wie gesagt: Gute Einleitung/Exposition, als eigenständige Kurzgeschichte würde es für mich nicht funktionieren.

"Das antike Theater von Ephesos": So ziemlich meine Sichtweise bei vielerlei antiken Amphitheatern. Kurz, bündig, toll !

"Der Parkbesuch": Ich hab`s nicht geschnallt. Ehrlich nicht.

"Die Angst des Tantalos": Ich weiß nicht, ob die Autorin David Lynch kennt, aber wenn: Ich weiß jetzt, wo die Inspiration lag^^ Surrealer Alltag unter Einfluss von griechischer Mythologie...me gusta ! Auch wenn`s am Ende im Kopf kribbelt^^

"Der Tod des Erpels": Jetzt will ich erst recht ein Buch von diesem Autor sehen, ein richtiges und nicht nur eine Kurzgeschichte ! Man merkt, wie belesen der Verfasser ist und das unbedingt an ein Publikum abgeben muss...alles andere wäre ein Verbrechen ! Das geschickte Kombinieren von Fremdwörtern, Ausdrücken und allerlei sprachlicher Mittel machen diese Geschichte zu einem genüsslichem Potpourri.

"Für immer": Kann ich nachvollziehen und sogar mitfühlen (man mag es kaum glauben). Auch hier schließe ich persönliche Erfahrungen der Autorin nicht ganz aus. Jetzt weiß ich wenigstens, wieso sie "Die Volksmop Queen" des Kurses genannt wurde.

"Die Schwierigkeit zu trauern": Voilà Autor Nr. 2, von dem ich ein Buch sehen will. Ernsthaft Junge, setz dich sofort dran und schreib eins, ich würds kaufen ! Einfach nur, weil ich mal wieder ein Buch mit einer normalen Handlung von einem normalen Menschen lesen will, kein Over-the-top-Zeug und auch keinen Schlaumeier-Scheiß.

"Die Volksmop Queen": Kann mich einfach nicht hineinversetzen, sorry. Vielleicht weil ich ein Mann bin, vielleicht weil ich es einfach nicht kapiert habe oder vielleicht weil ich es noch weitere 5 Mal lesen muss, um es ins Kleinhirn eingebrannt zu bekommen. Nicht mein Fall.

"Die Ratten": Dasselbe wie bei "Endlich zurück". Aus der Autorin könnte wirklich eine gute Kinderbuchautorin werden.

"Eine traumhafte Begegnung": So ziemlich das Werk des Abends, das den Autor am besten beschreibt. Ich kann mich nicht damit identifizieren, aber es gibt ein Publikum für solche Geschichten, soviel ist sicher.

"Blass wie der Schnee": Und da ist wieder mein weiblicher David Lynch, der gekonnt vom "Schneewitchen"- zum "Verworrene-Stadt"-Szenario wechselt^^ Ich fand`s aus seltsamen Gründen ziemlich unterhaltsam, vor allem wegen diesem subtilem Wechsel.

"Liftgeburten": Der Autor ist wohl in ziemlich vielen Aufzügen gewesen oder ich kann mich vollständig mit dieser Sichtweise identifizieren. Mir gefällt es, sei es wegen ersterem oder zweiterem.

"Im Vakuum": Ähm...tiefgründig ? (Im Ernst, ich weiß irgendwie nicht.)

Aus Platz- und Zeitgründen habe ich die Gedichte und die Sachen des Kursleiters ausgelassen. Hoffentlich habe ich diesmal jeden zufriedengestellt, wobei ihr alle eins wissen müsst: Ich als Autor hätte es vermutlich nicht geschafft, mich selbst in ein Thema reinzuzwingen, schreibe immer nach Lust und Laune. Von daher großer Respekt von Kollege zu Kollegen und danke, dass ich an euren Geschichten (exklusiv vorgetragenen oder nicht) teilnehmen konnte !

3 Kommentare:

  1. Zweifellos faire Kritiken! Vor allem diesmal Kritiken, mit denen die Autoren was anfangen können. Insofern schon mal um Längen besser als der letzte Beitrag.

    Die Frage, wie kritisch man sein darf/kann, ist immer schwierig. Das macht es ja so schwer, Kritiker zu sein. Ist man zu ehrlich, nennt alles, das einem missfällt, und beschreibt es in den Worten, die einem dazu einfallen, stößt man dutzende Leute vor den Kopf. Unterlässt man jedoch jegliche Reflexion, ist allzu höflich und verharrt bei unkritischen Dingen kann kaum jemand etwas damit anfangen.

    Nicht zuletzt deshalb werden Kritiker stets gefragt sein, aber ihnen wird gleichzeitig niemals entsprechend gedankt werden.

    Ich möchte mich sehr herzlich bedanken für die Kritik, die du mir mit auf den Weg gegeben hast. Für meine Geschichten hast du damit genau das richtige Maß an Informationen gegeben, mit dem ich einerseits etwas anfangen kann, ohne jedoch von der Fülle an Kritik überwältigt zu werden.

    Ich finde auch, dass du sehr, sehr fair bewertest hast! Danke!

    Daniel

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  2. Wie komme ich an die Geschichten heran? Ich bin durchaus interessiert, an dem Abend konnte ich jedoch nicht kommen.

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  3. Erstmal eine sehr gute kritik rudolf, dass du dich dazu äußerst wie du es wirklich fühlst und dich nicht zutrückhällst finde ich klasse und jeder der dir vorwirft "hööö, du bist ein pessimist" oder sowas soll gepflegt sein fr**** halten, schließlich sind kritiken dafür da seine VOLLE Meinung zu äußern( entschuldigt meine ausdrucksweise an dieser stelle, aber es ist nunmal so)

    Der Autor der Geschichte "Das antike theater von Epheseus" hat auch mich sowoghl bei der vorlesung als auch bei seinen geschichten überrascht und er hätte es sehr verdient wenn du sogar noch mehr über ihn geschrieben hättest weil er jemand ist von dem man so ne leistung kaum erwartet

    Auch ich bedanke mich an dieser stelle für die gute Kritik ;)

    P.s: Du Anonymus mit dem Kommentar unter Daniel, ich glaube es sind noch hefte da und ich könnte dir eines besorgen, falls du mir deinen Namen auf irgendeine Weise zukommen lässt ;)

    Cen Magjuni

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