Sonntag, 8. Januar 2012

Der Bürger, die BILD und der Bundespräsident - Ein Kommentar

Was haben wir denn für ein wunderbares Land, wo jemand in der Regierung von einer Zeitung so sehr zusammengeknattert werden kann, dass ein geschichtsträchtiges Ereignis wie eine Demonstration gegen den Bundespräsidenten stattfindet und zwar im Ägypten-Stil.

Wieso drängen sich einem dann sofort so viele verschiedene Fragen auf wie: Ist Wulff hier wirklich mit Mubarak zu vergleichen ? Wie kann es sein, dass die BILD so viel Einfluss auf die Bundesrepublik hat und somit selber ein eigener Staatsorgan sein könnte ? Und vielleicht auch: Wieso wird einem erst jetzt klar, wie wichtig ein Bundespräsident für das Land eigentlich ist ?

Formal gesehen hat der Bundespräsident meiner Meinung nach keine "wirkliche" Gewalt oder Macht in der Regierung, sondern ist höchstens als moralischer "Über-Representant Deutschlands" anzusehen. Nettes Lächeln, nettes Aussehen - im Prinzip eine Pappfigur zum Hinstellen und Bewundern, denn solche Leute wie die Kanzlerin und der Außenminister sind die wahren Representanten unseres Landes und all die Aufgaben des Bundespräsidents könnte man eigentlich unter anderen Ämtern verteilen oder auch mal dem Volk etwas mehr zutrauen...nur ob das so eine gute Idee ist...

Zu Wulff persönlich: Ja, es war falsch, was er mit seinem Amt gemacht hat...aber ist es falsch, dass er Rückgrat beweist und sich der BILD nicht opfert ? Ist es denn nicht auch ein Zeichen der Stärke, wenn man der größten deutschen Meinungsmache zu trotzen versucht, auch wenn Leute aus eigenen Reihen langsam ungemütlich werden ? Denn was eine der größten Zeitungen der Welt langsam geworden ist, ist ein schauerliches Mahnmal für die Zukunft, in der populistisch-boulevardische Medien die Meinungen der Menschen kontrollieren...in diesem Fall hat das Ganze ja auch einen etwas komischen Beigeschmack. War es denn nicht die BILD, die einst das saubere Image Wulffs propagierte und diesen so dem Volk vorführte, auf das es vor Erstaunen einen kurzen und beeindruckten Pfiff ausstoßte ? Und nun, sobald dieser einen Fehler gemacht hat, heißt es: Niederstampfen um jeden Preis ! Kein Mensch hat eine Hetzkampagne von der BILD gegen ihn verdient, so einer wie Wulff erst recht nicht.

Fazit: Lest keine BILD...und lasst Wulff in Ruhe. Es gibt weitaus größere Probleme in Deutschland als eine Kreditaffäre des Bundespräsidenten, auch wenn diese als ein hervorrangender Blitzableiter für die Kanzlerin agiert.

1 Kommentar:

  1. Es ist beeindruckend, dass endlich jemand das wahre Problem erkennt. Schön, dass es noch andere gibt, die sich nicht von BILD von einer Krise zur nächsten führen lassen. Ohne, dass irgendetwas in den Wulff Affären erwiesen wäre, führt die BILD Zeitung ihn vor wie einen Schwerverbrecher.

    Es kann nicht sein, dass wir uns von einer Zeitung unsere Meinung BILDen lassen. Nicht jeder, der BILD ließt, ist geBILDet, und auch wenn diese BILDlastige Zeitung natürlich sehr schön zu lesen ist mit ihren Metergroßen Buchstaben, so sollte man sie mit größter Vorsicht behandeln.

    Die BILD ist eines der Hetzblätter, die mehr Menschen aus Ämtern und in den Tod gejagt als irgendein anderes Blatt, stets auf den eigenen Profit bedacht. Ich weiß nicht, wie man so naiv sein kann, um einem Blatt zu glauben, dass einen derartig manipuliert.

    Und dabei gibt es weiß Gott wichtigere Krisen als Wulff, sogar Schlimmeres als Merkel. Schon interessant zu sehen, dass die rechtsextremistischen Terroristen es keine 2 Wochen schaffen, in der Presse vorgeführt zu werden, während ein Wulff Stoff für Wochen ist. Wären es linksextremistische oder gar islamistische Terroristen gewesen, wäre das heute noch das Top-Thema. Aber wie will man als Ausländer-Hetzblatt mit einer mehr schlecht als rechten Leserschaft schon Interesse an Ausländer-Morden wecken. Ich bin ja froh, dass, nachdem bei Sarrazin der Aufruf "Endlich sagt's mal einer" veröffentlicht wurde, in dieser Sache nicht "endlich tut's mal einer" publiziert wurde.

    Aber ich schweife ab. Die Wulff Affäre muss vor Gericht geklärt werden und, wenn dieser Mann von einem Verbrechen freigesprochen wird, hat man ihm nichts mehr zu wollen. Wenn er schulig sein sollte, mag man darüber einen Monat lang diskutieren, aber ohne jegliche Fakten?

    Ich stelle mich lieber ein, einen Präsidenten mit Fehlern zu haben (ja, auch ein Präsident ist ein Mensch), als einer Zeitung hinterher zu rennen, nur weil diese glaubt, Präsidenten stürzen zu können. Ich sehe nicht ein, dass die BILD zukünftig das Urteil darüber fällt, ob diese bleiben oder nicht. Das darf nicht geschehen!

    Notfalls können ja ein "Deutschland sucht den Präsidenten" (DSDP) veranstalten und per Anruf wählen. Oder wir suchen uns direkt jemand unfehlbaren wie den Papst aus, der ist ja sogar Deutscher. Denn, ganz im Ernst, wie penibel muss man sein, um allen Ernstes zu fordern, dass ein Präsident über jede moralische Fehlentscheidung erhaben sei?

    Mehr gibt es da einfach nicht zu zu sagen. Schließe mich deinem Fazit an, Rudolf. Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen!

    AntwortenLöschen

Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de Blogverzeichnis