Dienstag, 18. August 2015

Wunschkritik: "Secretary" (2002)

Story: Lee Holloway kommt genau zur Hochzeit ihrer Schwester aus einer psychiatrischen Anstalt raus und ist ein verschlossenes Mauerblümchen, das bei Stress zu Selbstgeißelung neigt. Um irgendwie im Leben voranzukommen nimmt sie den Job als Sekretärin in der Anwaltskanzlei von E. Edward Grey an und nach einiger Zeit entwickelt sich zwischen den beiden in ungewöhnliches Verhältnis...

Weder das Poster noch die Bezeichnung als "schwarze Komödie", bzw. "romantische Komödie" werden meiner Meinung nach dem Film als solches gerecht, weil sie falsche Erwartungen wecken. Meiner Meinung nach ist dies eher ein erotischer Thriller mit dramatischen Elementen und einigen schwarzhumorigen Szenen, was ich gleich etwas besser erklären werde.

James Spader als Mr. Grey hat in diesem Film eine natürliche dominante Ausstrahlung und dies verdeutlicht sich meistens schon darin, wie er im Film selbst auftaucht: In nahezu allen Szenen ist Maggie Gyllenhaal physisch ihm gegenüber gebeugt oder andersweitig unter seiner Augenhöhe - suggestiver könnte man ein potenzielles Dom-/Sub-Verhältnis kaum zeigen. Apropos Maggie Gyllenhaal: Trotz einer nahezu hypnotischen Anziehungskraft von von Spader bringt sie als Lee einen verletzlich-dramatischen Mix zwischen süß und sexy, scheu und schonungslos, verschlossen und verrucht und natürlich zwischen dysfunktional und devot. Drumherum ist ein überraschend realistisches Setting, sodass das Verhalten der beiden Protagonisten nie total unrealistisch wirkt und man kann es dem Duo leicht abkaufen, dass sie beide von ihrer Beziehung profitieren.

Meine einzigen zwei kleinen Kritikpunkte wären die etwas zu schnelle Wandlung von Lee von einer normalen Sekretärin zu einer inoffiziellen Sub ihres Chefs und das Ende...es ist per se kein schlechtes Ende, aber irgendwie kommt es mir tonal etwas unpassend vor zum Rest des Films. Was natürlich auch noch erwähnt werden muss, ist die verblüffende Ähnlichkeit von "Fifty Shades of Grey" mit diesem Film; beides hat Buchvorlagen und da ich die Vorlage zu "Secretary" nicht gelesen habe, halte ich diesen Vergleich lieber auf der Filmebene. Eklatant ähnlich ist natürlich der Nachname des männlichen Protagonisten und vom Stil her haben beide Streifen ihre Höhepunkte, aber trotz der Tatsache, dass in "Secretary" der Begriff "BDSM" kein einziges Mal fällt, ist es deutlich näher an tatsächlichem BDSM und vor allem der besonderen Beziehung zwischen Dom und Sub als das selbsterklärte Phänomen mehr als eine Dekade später. Hier hat das Paar eine komische und manchmal recht unwirkliche Chemie untereinander, an die das Paar aus "Fifty Shades of Grey" nicht mal ansatzweise herankommt, obwohl (oder gerade ?) es alters- und aussehenstechnisch eher zueinander passen müsste.

Fazit: Dies ist wahrlich ein interessanter Charakterfilm mit einem starken ersten Ausrufezeichen von Maggie Gyllenhaal, der nicht wirklich für die Masse gedacht ist, da bestimmte Szenen/Elemente Zuschauer entweder anziehen oder abschrecken werden.

1 Kommentar:

  1. Ich denke das die Wandlung so schnell von statten geht weil es genau das ist was Lee gebraucht hat.
    Aber eine schöne Kritik ;)

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