Samstag, 8. März 2014

"Non-Stop"

Story: Bill Marks ist seit dem Tod seiner krebskranker Tochter ein ziemlich miserabler Cop geworden, mit dem Trinken und Rauchen bei der Arbeit. Als Air Marshal auf einem Flug von New York nach London bekommt er plötzlich eine Nachricht auf sein Handy, dass wenn nicht 150 Millionen Dollar auf ein bestimmtes Konto überwiesen werden, jede 20 Minuten ein Passagier im Flugzeug sterben wird...

Das Beste an dem Film ist, dass er eine eigentlich unoriginelle Idee gut mit "Liam Neeson als Action-Star" verbinden kann: Die Geschichte hat wirklich gut geschriebene Wendungen und die allerletzte ist überraschenderweise nicht lächerlich, sondern macht wirklich Sinn und wirkt gut in die Ereignisse involviert. Der Unterhaltungswert des Streifens kann aber erst dann entstehen, wenn man sich in diesem Fall von viel grundlegender Logik verabschiedet. Dies ist auch möglich, weil Neesons Charisma den gesamten Film am Laufen hält, da neben ihm nicht einmal Julianne Moore (interessanterweise nur in einer Nebenrolle), geschweige denn ein anderer Fluggast genügend Persönlichkeit besitzt, um als "Zugpferd" zu gelten.

Fazit: Wer mal für einen Abend einen recht unterhaltsamen, wenn auch recht dummen Film sehen möchte, kann sich "Non-Stop" ruhig antun.

Freitag, 7. März 2014

Kontrovers-Monat: "Ich spuck auf dein Grab" (1978)

Story: Jennifer Hills möchte ihren ersten Roman in einem abgelegenen Ferienhaus verfassen, doch schon bei der Tankstelle in der Nähe lauern ihr skrupellose Männer auf und vergewaltigen sie. Nachdem sie es nicht schaffen, sie nachher umzubringen, sinnt sie nun auf blutige Rache...

Dies ist ein schwieriger Film zu besprechen, denn es gibt vor allem nur eine Sache zu bespechen und zu der komme ich später. Rein filmtechnisch ist der Streifen in Ordnung für seine Zeit: Solide Darsteller, schmutziger Look und unspektakuläre Kameraführung, die Effekte sind dezent - in Verbindung mit einem nicht so großen Budget also ein eigentlich unscheinbarer Streifen insgesamt und nichts, was einem dringend in Erinnerung bleiben würde. Eigentlich. Denn die Geschichte an sich ist relativ schwach und ist zu sehr auf den "Aufmacher" angewiesen.

Der große "Aufmacher" und der einzige Grund, weswegen dieser Film kontrovers ist, ist die berüchtigte 45-minütige Vergewaltigungsszene (wenn man den Begriff "Vergewaltigung" relativ weit ausdehnt). Diese wurde so roh und realistisch inszeniert, sodass sie selbst nach all den Jahren für Diskussion sorgt. Es ist schwer über so etwas zu reden und selbst die Tatsache, dass diese Szene nicht echt ist, macht das Anschauen davon kein Stück einfacher. Vergewaltigungen gibt es in vielen Filmen solcher Art und solche werden auch in weiteren Filmen auftauchen, die ich hier besprechen werde, aber das hier ist wohl auch vor allem wegen der Länge die "Mutter aller Vergewaltigungsszenen". Ja, es ist ziemlich perfide, solche Bezeichnungen schreiben zu müssen; ich weiß nur ganz ehrlich nicht, wie ich es anders machen müsste. Außerdem gibt es noch das Thema der Selbstjustiz zu bereden, aber diesem wird im Film keinerlei Aufmerksamkeit geschenkt, weswegen ich auch nicht vernünftig darüber reden kann.

Fazit: Der Film an sich ist relativ simplistisch und hat seinen Höhepunkt an Spannung ausgerechnet bei der Vergewaltigungsszene. Der Rest ist unspektakulär, unsinnig und teilweise langweilig.

Dienstag, 4. März 2014

Kontrovers-Monat: "Salo oder die 120 Tage von Sodom" (1975)

Story: 1944, faschistisches Italien. 4 Libertines, 4 Soldaten und 4 ältere Damen suchen sich 18 Jugendliche (je 9 Mädchen und Jungs) als Opfer für ihre sadistischen Folter aus und bringen diese nach Salo, wo diese durch drei Höllenkreise durch müssen...

"Salo" ist das Anti-Vergnügen, die Anti-Lust des Kinos. Regisseur Pasolinis letzte Schaffung überzeugt vor allem durch die Cinematographie, denn die Landschaften sind wunderschön gefilmt, die schauspielerische Leistung ist ordenlich und der Schnitt ist stets sauber, trotz aller schmutzigen Sachen, die sich abspielen. Wenn ich dem Streifen etwas abseits seiner barbarischen Grausamkeit übel nehme, dann wohl die Art und Weise des Films selbst: Es gibt keine richtige Geschichte; es sind eher Verknüpfungen von einzelnen Szenen, die zwar Sinn ergeben, aber in den Pausen doch recht langweilig wirken. Einem wird eine Gräueltat zugemutet und dann zieht sich der Film, dann wieder eine Gräueltat, usw.

Natürlich sind die Folterszenen des Films der wohl interessanteste Aspekt und dieser wurde unbestritten zum größten Teil direkt von Marquis de Sade abgeleitet (seine Vorlage ist eine Stufe härter als das). Anstatt direkt zu sagen, was denn nun mit den Mädels und Jungs geschieht, kann ich zumindest die drei Höllenkreise verraten, nämlich "Der Höllenkreis der Lust", "Der Höllenkreis der Scheiße" und "Der Höllenkreis des Bluts". In wahrer Horrorfilm-Manier überlasse ich lieber eurer Fantasie, welche Foltermethoden in den jeweiligen Kreisen an den Jugendlichen ausgeführt werden. Und das in feinster sadistisch-voyeristischer Manier, sodass der Zuschauer alles sieht und nicht wegschauen kann.

Fazit: Ein kraftvolles und extremes Werk, das die menschlichen Abgründe so explizit darstellt wie kaum ein anderes. Es mag fast 40 Jahre sein, aber es halt von seiner Wirkung noch heute nichts verloren.

Sonntag, 2. März 2014

Kontrovers-Monat: "Nackt und zerfleischt" (1979/1980)

Herzlich willkommen bei dem angekündigten Monat mit kontroversen, oftmals "kranken" Filmen, die bis an die verträgliche Grenze der Cinematographie gehen. Für euren und meinen Magen nur jeden 2. Tag...und weil ich nicht künstlich irgendwelche nicht so kontroverse Filme besprechen will. Bei den 15 Filmen, die ich in diesem Monat vorstelle, gehe ich vor allem von objektiv kontroverse Filmen aus, von denen manche sogar als Klassiker ihres Genres bezeichnet werden können.


Story: Eine Gruppe von Dokumentarfilmern ist in den Amazonas verloren gegangen und der Anthropologe Harold Monroe findet deren Film bei einem Eingeborenenstamm und bringt es zurück nach New York. Dort schaut er sich zusammen mit dem produzierenden Fernsehsender die letzten Aufnahmen an...

Ich fange mal mit einem Film an, der seinerzeit möglicherweise der brutalste und grausamste (Horror-)Film war, der rauskam. Das Poster allein dürfte schon einen ungefähren Anschein dessen zeigen, welcher Grad an Grausamkeit den Zuschauer erwartet; der Originaltitel "Cannibal Holocaust" dürfte eigentlich für sich sprechen. Hier findet man eigentlich alles, was seinerzeit in anderen Exploitation-Filmen zu finden war, wie brutale Zerteilung und Verspeisung der Menschen und Vergewaltigungen; hier besonders realistisch und grausam dargestellt durch den schmutzigen Dokumentarlook. Es wurde am Ende so real, sodass sich der Regisseur tatsächlich vor dem italienischen Gericht verantworten und beweisen müsste, dass keiner der Schauspieler und insbesondere die Frau nicht umgekommen sind und gegessen wurden.

Eine Schandtat kann man aber dennoch vorwerfen: Es sind so einige Tiere tatsächlich auf eine absolut sadistische Weise umgekommen und selbst der Umstand, dass diese Tiere nachher von den Eingeborenen verspeist wurden, macht es kein Deut besser, denn die Tierqualen haben nichts mit der Geschichte zu tun und dienen der reinen Unterhaltung. Dieser Kannibalenfilm hat aber noch eine Besonderheit auf Lager, nämlich die fragwürdige Moral am Ende des Films.

Fazit: "Nackt und zerfleischt" bildet die Spitze der Kannibalen-Filme und ist selbst für heutige Verhältnisse brutal. Vor allem ist es aber die Aufmachung und Stil, gepaart mit Sadismus gegenüber Tieren, was diesen Film "auszeichnet".

Samstag, 1. März 2014

Meine Tipps für die Academy Awards 2014

Wie schon letztes Jahr werde ich mal meine kleine dilettantische Vorhersage machen bezüglich der diesjährigen Oscars, oder wie sie tatsächlich heißen, der Academy Awards. Dieses Jahr traue ich mir zu, ein paar Worte über die Nominierungen an sich zu verlieren und zu jeder Kategorie mehr Vorhersagen zu treffen sowie generell etwas ausführlicher zu werden.

Im Vorfeld haben natürlich schon die Nominierungen teilweise verwirrt; ich persönlich werde zumindest die drei größten Fragezeichen für mich ansprechen:

1. Tom Hanks in "Captain Phillips"/"Saving Mr. Banks". Kein Schauspieler hat dieses Jahr mehr Werbung für sein Talent machen können wie Tom Hanks (außer vielleicht Benedict Cumberbatch) und es ist etwas schade, dass er weder für seine Darstellung als Walt Disney noch besonders für seine Rolle als Richard Phillips.
2. Emma Thompson in "Saving Mr. Banks". Vielleicht die größte Überraschung (neben Robert Redford in "All Is Lost") bei den Nicht-Nominierungen. Ich hab weder "Philomena", "Blue Jasmine" oder "August: Osage County" gesehen, aber ich bin mir trotzdem ziemlich sicher, dass sie eine Erwähnung verdient hätte.
3. Daniel Brühl in "Rush". Brühl hat letztes Jahr auf jeden Fall das Ansehen des deutschen Kinos international gehoben und man dankte es ihm mit allerlei Aufmerksamkeit, Lob und Erwähnungen bei zahlreichen Filmpreisen - nur nicht dem Oscar.

Hier meine Tipps:

Bester Film:

Favorit 1:  "12 Years a Slave", weil dieser Film vielleicht nicht der technisch beeindruckendste, der unterhaltsamste oder der mit Publikumslieblingen wie Leonardo DiCaprio ist - er ist aber vor allem eins, nämlich "wichtig". Die Darstellung der Sklaverei ist auf eine recht perfide Weise so gut gelungen, dass es nahezu essenziell sein wird, ihn beim entsprechenden Thema zu konsultieren. Dies schafft nicht jeder Film.

Favorit 2: "Gravity", weil dieser Film die stärkste Regiearbeit des Jahres hinter sich zeigt und in Gegenwart von mehreren Weltraum-Klassikern mit seinen Dimensionen einen mehr im All sein lassen, als kaum eine Erfahrung davor es konnte.

Außenseiter: "The Wolf of Wall Street"/"American Hustle", weil der erste ein Publikumsliebling ist (solche können auch manhcmal siegen) und der zweite eines der stärksten Ensembles seit langem aufbietet; Charaktere, die man im amerikanischen Kino schon seit langem nicht sah.

Beste Regie:

Favorit 1: Alfonso Cuarón mit "Gravity", weil er für uns Zuschauer den Weltraum mit der Magie der Filmkunst lebendig machte. Es gab letztes Jahr nichts Beeindruckenderes an Regiearbeit.

Favorit 2:  Steve McQueen mit "12 Years A Slave", weil der Film von vielen unvergesslichen Szenen lebt, die dank dem Gefühl von McQueen realisiert werden konnten.

Außenseiter: Alexander Payne mit "Nebraska", weil dieses Jahr niemand so viel mit Minimalismus schaffte wie Payne und ich respektiere das.

Bester Hauptdarsteller: 

Favorit 1: Chiwetel Ejiofor in "12 Years A Slave", weil seine Energie und Intensität von niemand anders erreicht wurden und es nahezu unmöglich ist, ihn leiden zu sehen.

Favorit 2: Matthew McConaughey in "Dallas Buyers Club", weil er vorher den Golden Globe und den Screen Actors Guild Award bekam - ein guter Hinweis auf einen Oscar.

Außenseiter: Leonardo DiCaprio in "The Wolf of Wall Street", weil ich es ihm persönlich zwar wirklich langsam zutrauen würde, bei dieser und mehreren seiner exzellenten Darstellungen Jahr für Jahr, ganz ehrlich. Aber glauben tu ich daran nicht.

Beste Hauptdarstellerin:

Favorit 1: Amy Adams in "American Hustle", weil sie eine mehrschichtige Frau mit einer solchen Klarheit spielt, sodass ich es ihr gönnen würde, ihren ersten Oscar zu bekommen.

Favorit 2: Sandra Bullock in "Gravity", weil der Film nicht funktionieren würde ohne eine hervorragende menschliche Komponente wie Bullock.

Beste Nebendarstellerin: 

Favorit 1: Lupita Nyong`o in "12 Years A Slave", weil ich selten so viel Mitleid mit einem Charakter hatte wie mit ihr und insbesondere eine Szene sich in mein Hirn eingebrannt hat.

Favorit 2: Jennifer Lawrence in "American Hustle", weil sie das Herz von "American Hustle" ist und nicht aufhört, uns an ihrem Talent teilhaben zu lassen.

Außenseiter: June Squibb in "Nebraska", weil sie die richtige Art von Frau spielt, um Bruce Dern in "Nebraska" in den Griff zu bekommen

Bester Nebendarsteller:

Favorit 1: Jared Leto in "Dallas Buyers Club", weil ich ehrlich gesagt fast geschockt war, wie geerdet Letos Charakter war, so überzeichnet er teilweise schien.

Favorit 2: Jonah Hill in "The Wolf of Wall Street", weil Hill wieder wie in "Moneyball" beweist, dass er auch ernste Rollen nicht minder gut beherrscht als komische.

Außenseiter: Barkhad Abdi in "Captain Phillips", weil Abdi ein mehr als beeindruckendes Schauspiel-Debüt ablieferte.

Bestes Originaldrehbuch:

Favorit 1: "Her", weil Spike Jonze eine recht einzigartige Zukunftsvision für die Liebe schuf, die gruseligerweise gar nicht so abwegig ist, wie sie klingt.

Favorit 2: "American Hustle", weil David O. Russell schon mehrere Male zurvor gezeigt hat, wie hervorragende Charaktere geschrieben werden und es dieses Mal wieder tat.

Außenseiter: "Dallas Buyers Club", weil vor allem mit Jared Letos Charakter etwas geschafft hat, was in mehr als 20 Jahren kaum jemandem gelungen ist, nämlich einen "normalen" Transsexuellen zu schreiben.

Bester Animationsfilm:

Favorit 1: "Die Eiskönigin - Völlig unverfroren", weil Disney sich mit seinen Zuschauern und vor allem Zuschauerinnen weiterentwickelt.

Außenseiter: So ziemlich alle anderen, weil keiner der anderen von mir gesehenen Animationsfilme der "Eiskönigin" das Wasser reichen kann. Bereue es eigentlich nur, "The Wind Rises" von Hayao Miyazaki nicht gesehen zu haben, ansonsten würde ich Disneys Dominanz ernsthaft anzweifeln.

Bester Filmsong:

Favorit 1: "Let It Go", weil dieser Song wie kein anderer Filmsong die Herzen schmelzen ließ und für sich ein kleines Phänomen geworden ist.

Favorit 2: "Ordinary Love", weil es den Golden Globe in der Kategorie bekam.

Außenseiter: "Happy", weil das Lied einer der besten Aspekte des Films ist.

Bestes Kostümdesign:

Favorit 1: "American Hustle", weil die Kostüme ihre Ära perfekt repräsentierten.

Favorit 2: "12 Years A Slave", wegen des Gewinns des Costume Designer Guild Award.

Außenseiter: "The Great Gatsby", weil der Look die größte Stärke des Films war und die Kostüme waren da keine Ausnahme.

Bestes Szenenbild:

Favorit 1: "The Great Gatsby", weil der Exzess aus der Vorlage wunderbar auf die Leinwand übertragen wurde.

Favorit 2: "Her", weil der Film eine der subtilsten Zukunftsvisionen der letzten Jahre schuf.

Bestes Make-Up:

Favorit 1: "Dallas Buyers Club", weil das Budget von nur 250 (!) Dollar echter war, als so viele höher finanzierte letztes Jahr.

Außenseiter: Alle anderen, weil die Nominierungen von "Jackass Presents: Bad Grandpa" und "The Lone Ranger" in dieser Kategorie wie eine Beleidigung gegenüber dem obigen Film klingen.

Bester Schnitt:

Favorit 1: "Gravity", weil der Film auf technischer Ebene absolut nichts anbrennen ließ.

Favorit 2: "Captain Phillips", aufgrund der packenden Inszenierung.

Beste Kamera: 

Favorit 1: "Gravity", aus dem gleichen Grund wie beim besten Schnitt.

Favorit 2: "Inside Llewyn Davis", weil der Film buchstäblich wie ein verblasstes Foto aussieht.

Außenseiter: "Nebraska", weil ich den bereits erwähnten Minimalismus sehr schätze.

Beste visuelle Effekte:

Favorit 1: "Gravity", aus mehreren bereits genannten Gründen.

Favorit 2: "The Hobbit: Smaugs Einöde", weil die Realisierung von Smaug eindeutig besser gelungen ist als erwartet.

Und nicht vergessen: Es sind bloß meine Vorhersagen und ja, ich hab nicht alle Kategorien besprochen. Aber wie ich bereits sagte: Ich wollte mich lediglich auf das beschränken, was ich meine zu kennen.
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