Montag, 23. Juli 2012

"The Dark Knight Rises" (Spoiler-frei)

Story: 8 Jahre nach dem Vorgänger ist Batman aus Gotham verschwunden und Bruce Wayne hat sich vollkommen in seiner Villa abgeschottet. Zumindest bis ein Krimineller namens Bane und die mysteriöse Catwoman auftauchen...

Wie schon im Titel geschrieben, werde ich in diesem Review allerlei Spoiler vermeiden, was bezüglich dieses Films nicht ganz so einfach wird. Achja und noch was: Abseits der Tragödie in Denver ist mir aufgefallen, dass dieser Film im Gegensatz zu seinem Vorgänger richtig zu polarisieren scheint - dabei bekamen die Kritiker, die schlechte Kritiken verfassten, richtige Todesdrohungen.

Zum Film selber: Bale tut es in diesem Film unglaublich gut, dass er größtenteils nur Bruce Wayne spielt, denn eigentlich ist dieser Film der bat-loseste der Trilogie und vielleicht sogar überhaupt. Dadurch hört man glücklicherweise sogar weniger vom Bat-Brüllen und man sieht, dass Bale sogar richtig gut schauspielern kann. Michael Caine als Alfred, Morgan Freeman als Lucius Fox und Gary Oldman als Comissioner Gordon sind gewohnt klasse in ihren Rollen und sind starke Begleitcharaktere, die ihrerseits den Helden stützen, damit dieser nicht fällt.

Tom Hardy als Bane ist bedrohlich, intelligent und wirklich motivierend - auch wenn die Motivation für die Vernichtung Gothams vollkommener Schwachsinn ist. Ich verstehe, was Nolan hier für Ideen hatte und was er sagen wollte, aber hinter der Idee von Bane steht etwas, was im Verlauf des Films einfach keinen Sinn macht und leider so offensichtlich rüberkommt, dass man wirklich die Logik in einem Nolan-Film hinterfragen muss. Hätte nie gedacht, dass ich das sage.
Anne Hathaway als Selina Kyle ist (überraschend) gut und kommt klasse als Hingucker im Film und hat sogar einen überraschenden Twist am Ende, ebenso wie ein anderer wichtiger Charakter im Film. Achja und es kommen noch einige Schurken hinzu, was dem Film die fast dreistündige Laufzeit bringt und das Ganze etwas überfüllt macht.

Das ist für mich irgendwie das Thema des Films, nämlich Überladung. Was in "The Dark Knight" noch halbwegs ertragbar war, also die fast ständige Action, wird hier um einige Etagen ausgebaut mit spektakulären Effekten und viel Tamtam. Alles wirkt groß und bombastisch und das ist gut so für einen Sommerblockbuster - aber es fehlt irgendwie der smarte Aspekt dahinter. Irgendwie ironisch, weil eben dieses smarte mich in den Vorgänger etwas stutzig machte. Ich mag eigentlich Nolans Stil, der immer mit Gehirn dabei ist und den Zuschauer nebenbei klug wirken lässt, wenn er eines der Motive dahinter erkennt. In den Rezensionen davor meinte ich, dass dieser düstere Realismus der Extreme meiner Meinung nach den Mythos des Dunklen Ritters vollkommen demaskiert und somit auch etwas von seinem "Zauber" verliert, wenn man das so sagen kann. Aber "The Dark Knight" funktionierte sehr gut als Thriller mit einem tollen Gegenspieler und "The Dark Knight Rises" funktioniert gut als typisches Finale. Und vor dem abschließenden Wort möchte ich noch gerne die Motive der vergangenen Batman-Filme durchgehen, was komischerweise sogar Sinn und Zweck hat, um diesen Film zu verstehen:

40er = haufenweise Rassismus, 60er = Klugscheißerei, "Batman" = Doppelidentitäten, "Batmans Rückkehr" = Freaks in der Gesellschaft, "Batman und das Phantom" = Bewältigung mit der eigenen Schuld und Vergangenheit, "Batman Forever" = Vertrauen, "Batman & Robin" = es macht Spaß, die Zuschauer zu verarschen, "Batman Begins" = Angst, "The Dark Knight Rises" = Anarchie und das Überwinden eigener Grenzen und nun "The Dark Knight Rises" mit dem Motiv vom Aufstehen, wenn man hinfällt. Wem das bekannt vorkommt, dann hat derjenige wahrscheinlich genauestens "Batman Begins" gesehen, denn dort wiederholte Thomas Wayne (Bruces Vater) und soweit ich mich erinnern kann sogar Alfred die Phrase, dass man nur fällt, um wieder aufzustehen. Ein weiterer Blick auf das Filmposter und es werden 2 Dinge klar: Einerseits bestätigt dies die Theorie eines durchziehenden Motivs durch die Nolan-Filme über Batman und andererseits macht es "The Dark Knight" inhaltstechnisch irrelevant, da neben dieser Motiv-Sache alles, was das Ende vom Vorgänger ausmachte, in diesem Finale eigentlich unwichtig ist. Als Vorwissen benötigt ihr also nur "Batman Begins".

Fazit: "The Dark Knight Rises" ist pompös, actiongeladen und...ermüdend für die Länge. Bei allem, was in diesem Film passiert, sind die Wendungen etwas plötzlich und sinnlos und das Ende ist vollkommen unpassend und könnte im schlimmsten Fall als eine Art Schlag ins Gesicht verstanden werden. Es ist für mich bedauernswerterweise der schwächste Film der Nolan-Trilogie und überdurchschnittlich an den besten Stellen.


Sonntag, 22. Juli 2012

Batman-Monat: Christopher Nolans Filme

Mit Ausnahme von "The Dark Knight Rises", versteht sich.

"Batman Begins" (2005)
Story: Bruce sieht als kleiner Junge die Ermordung seiner Eltern und tritt für eine lange Zeit in Askese in Asien, wo er in allerlei Arten von Kämpfen trainiert. Als er nach Gotham zurückkehrt, beschließt er, sich seiner Vergangenheit und Angst zu stellen und kreiert die Figur der furchteinflößenden Fledermaus, die es gegen einen verrückten Doktor Crane (Scarecrow) und Ra`s al Ghul aufnehmen muss...

Nachdem "Batman & Robin" gloriös bei Kritikern wie bei Zuschauern versagt hat, hat man die Idee von einem weiteren Batman-Film für eine gute Zeit lang vertagt, bis ein gewisser Christopher Nolan (damals bekannt für "Memento") den Stoff wieder aufgriff und den Dunklen Ritter komplett demaskierte, indem er ihn in ein modernes Setting packte und jedes seiner Geheimnisse und Vorgehensweisen möglichst plausibel erklärte. Noch etwas: Ich bin ehrlich gesagt immer noch ziemlich überrascht, wie gut dieser Film aufgenommen wurde; die Leute liebten den Film nicht nur bis zum Himmel, sondern er wurde gleich zum besten Batman-Film mit Abstand erklärt. Ich stimme zu, dass er besser als die Schumacher-Filme ist, aber er kann nicht ganz an die Burton-Filme rankommen und schon gar nicht an "Batman und das Phantom". Wieso nicht ?

Mein erstes Problem ist Christian Bale als Bruce Wayne, bzw. Batman. Als Wayne ist er ganz in Ordnung und füllt die Rolle des sorglosen Playboys gut aus, aber als Batman ist er irgendwie unglaubwürdig. Während ein Jemand wie Keaton von Natur aus furchteinflößend sein kann, so muss Bale seine Stimme extrem verstellen, um seinen Gegnern Angst einzujagen...mich bringt es eher zum Lachen. Ja, er muss seine Identität wahren, aber ich kam nicht umhin, als zu denken, man hätte im Geist der Filme auch hierfür ein Gadget gefunden, das ihm Abhilfe geschaffen hätte. Sicherlich liegt es auch an dem etwas aufgeblähtem Design, der wie alles andere absolut präzise erklärt wird; es ist im Prinzip einfach nur eine Art Anzug für Soldaten und dieser Anzug wurde halt nicht angenommen. Ebenso mit allen anderen Gadgets und Fahrzeugen: Lucius Fox ahnt, wofür Bruce das alles braucht, findet es raus und zuckt nicht mit einem Gesichtsteil, als er es erfährt. Ist ja ganz normal, wenn ein überreicher Milliardär einfach so Militärzeugs bestellt, um dann zum Wächter der Nacht zu werden, alles easy. Mit Alfred ist es ähnlich: Er hört jahrelang nichts von seinem Meister und dann kommt er zurück und vertraut ihm an, er wolle Batman werden. Wie gesagt: Alles easy und ohne jegliche Konsequenzen. Dieser Punkt findet in meiner Rezension von "The Dark Knight" seine Fortsetzung. Normalerweise mag ich es, wenn der Film einem bestimmte Sachen erklärt, aber das hier ging eine Spur zu weit, indem es den Batman-Mythos entzauberte; aus einem bestimmten und unverwechselbarem Retter in der Not wurde ein wirklich gut trainierter Bursche mit genügend Kohle in der Tasche oder im Extremfall ein einfach nur käuflicher Superheld.

Abseits von Bale, der etwas steif wirkt, ist der Rest des Casts wirklich gut bis OK. Michael Caine als Alfred ist ebenso gut wie Michael Gough in den 4 Vorgängerfilmen und Morgan Freeman als Lucius Fox macht seine Sache auch recht ordentlich. Cillian Murphy war toll als Dr. Jonathan Crane aka Scarecrow, aber nach dem Film konnte ich nicht anders und bedauern, dass er leider nicht das für ihn gebührende Finale bekam (welches eigentlich als Frechheit bezeichnet werden kann); er würde eine richtige Konfrontation mit Batman verdienen (und nicht die paar Momente in der Mitte). Liam Neeson als Ra`s al Ghul war für mich eine vollkommene Fehlbesetzung, denn von einem Bösewicht dieses Kalibers und Macht erwarte ich persönlich, dass man nicht einschüchtert und nicht einschläfert. Ein weiterer Schauspieler, den ich auf jeden Fall erwähnen muss, ist Gary Oldman als Jim Gordon, der hier eine sehr gute Arbeit leistet und auf jeden Fall (hoffentlich möglicht lange) in der Rolle als dieser erinnert werden wird.

Der Film selbst hat nolan-untypisch gewisse Identitätsprobleme, da er aus zwei Halbfilmen bestehen zu sein scheint: Die erste Hälfte ist eine solide, ernste Entstehungsgeschichte und die zweite ein halbseriöser Comicfilm. Dies lässt den Film leicht unzugänglich erscheinen, weil sich Nolan hier möglicherweise nicht für einen klaren Stil entscheiden konnte oder wollte; vielleicht ging es hier auch nur um das simple "Fischen für Komplimente" seitens der Massen. Hinzu kommt noch der hektische Schnitt in der Nahaufnahme, der das Kampfgeschehen öfters unübersichtlich macht. So, als ob ihr TV gucken wollt und mindestens 5 Personen fuchteln vor eurem Gesicht mit Händen, Gesichtern und Füßen rum, sodass ihr kaum was sehen könnt.

Fazit: Ich hasse "Batman Begins" nicht, damit es klar ist. Ich finde nur lediglich, dass dieser schamlos überschätzt ist und in eine bestimmte Richtung geht, die nicht wirklich dem entspricht, was ich mir von einer Verfilmung des Dunklen Ritters verspreche. Er ist weder gut noch schlecht, sondern OK.

"The Dark Knight" (2008)
 Story: Diesmal muss es Batman nicht nur mit einem regulären Schurken aufnehmen, sondern mit der Reinkarnation des Chaos selbst, dem Joker...

Sogar heute, ganze 4 Jahre nach dem Erscheinen des Films, ist der Hype teilweise immer noch lächerlich in einer wirklich absurden Art. Ich kann natürlich nicht um den Tod von Ledger rumreden, aber ich finde, dass man alleine deswegen noch lange nicht den Film als "den besten" und Ledger als "den besten" bezeichnen sollte. Es war tragisch, aber das gibt meiner Meinung nach den Leuten kein Recht zur regelrechten Vergötterung dieses Streifens, als ob es die Offenbarung selbst wäre. 

Zum Film selbst muss man sagen, dass Bale mit seiner Leistung unverändert ist, außer dass er bei der Batstimme ein paar Oktaven zugelegt hat, was der unfreiwilligen Comedy recht gut tut. Für die Ernsthaftigkeit sorgt Aaron Eckhardt als Harvey Dent, der aufgrund der Joker`schen Manipulation zu Two-Face wird, was ähnlich wie bei Scarecrow nicht sonderlich lange andauert. Während Liam Neeson die Figur des Ra`s al Ghul eher verschwendet hat, so stiehlt Heath Ledger als Joker jede Szene, in der er ist. Er ist hier ähnlich elektrisierend wie Jack Nicholson seinerseits, spielt aber einen anderen Aspekt des Jokers als dieser: Nicholson war bedrohlich-unterhaltsam und Ledger ist gruselig-psychotisch; der Erste verkörpert das Chaos und der Zweite einen kranken Geist, der dieses Chaos erschaffen will wie ein verkannter Künstler. Zum Vergleich zwischen den beiden komme ich in einem anderen Beitrag.

Erwartet ansonsten in diesem Film genau das, was in jeder anständigen Fortsetzung kommen sollte, nämlich mehr Action, mehr Drama und mehr Nolan`sche Dialoge, die einem einfach alles erklären, egal ob man es will oder nicht. Ich habe nichts gegen die exzellent geschriebenen Dialoge der Nolan-Brüder und respektiere den Stil, mit dem der Regisseur hier gehen will und dennoch fühlt sich das für mich letztendlich so an, als wäre der Film so eine Art Klugscheißer, im Sinne von: "Ich weiß alles über die Moral und Verantwortung von Menschen, kann zwischen Gut und Böse unterscheiden und tu noch auf hyperintelligent". So, als würde man wissen wollen, wie Gravitation funktioniert und einer würde einem das Higgs-Boson-Teilchen erklären...OK, nicht so übertrieben kompliziert, aber ihr versteht mich hoffentlich. Die Charaktere besprechen einfach alles und lassen den Zuschauer nie wirklich was von der Atmosphäre teilhaben, weil es entweder Gespräche oder Action gibt, man kann nie wirklich durchatmen oder was am Ende diskutieren; letztendlich hat der Film für einen schon die Diskussion gemacht.

Fazit: "The Dark Knight" ist ein wirklich kluger Thriller über einen Psychopathen im Clownskostüm, der von einem verwirrten Milliardär im Fledermauskostüm aufgehalten werden muss. Es ist nicht der Batman-Film, den das Franchise verdient, aber eins, das es braucht.
 

Batman-Monat: Joel Schumachers Filme

Burtons "Batmans Rückkehr" war kein Misserfolg per se, aber die krasse, depressive und abnormal dunkle Darstellung war nicht das, was die Studiobosse wollten. Es gab genügend Geld als Einspielergebnis, aber marketingtechnisch konnte man damit keine Actionfiguren verkaufen und so wurde Burton durch Joel Schumacher ausgetauscht. Achja und weil sich angeblich Elterngruppen wegen der Brutalität beschwert hätten. Deshalb wurde der dunkle und zeitlose Stil durch eine grell-bunte Show ersetzt. Yay ?

"Batman Forever" (1995)
 Story: Two-Face terrorisiert Gotham und hält Batman auf Trab...währenddessen wird ein Mitarbeiter von Wayne Enterprises namens Edward Nygma aufgrund der Nichtfinanzierung vollkommen verrückt und so zum Riddler...

OK, das Wichtigste zuerst: Val Kilmer ist der blasseste Batman überhaupt, denn das Einzige, was er bei seiner Rolle ausfüllt, ist das Aussehen von Bruce Wayne. Anders als Keaton kann Kilmer einfach nicht die Präsenz eines komplexen Charakters aufzeigen - weder als Bruce Wayne noch als Batman. Mag sein, dass er eher als Publikumsliebling durchgehen kann als Keaton, der eine Petition von Batman-Fans überstehen musste, aber letztendlich geht es hier nicht um bloßes Erscheinen; am Ende entscheidet die Detailtreue zum Charakter selbst und da ist Keaton als nachdenklicher und gespaltener Bruce Wayne um einiges besser als der selbstgefällige und aalglatte Kilmer.

Zu den Schurken: Two-Face von Tommy Lee Jones ist ein kompletter Witz und ein billiger Joker-Klon, nur überhaupt nicht witzig oder nur teilweise unterhaltsam. Der wahrscheinlich traurigste und tragischste aller Batman-Bösewichte verkommt zu einem Aufziehaffen ohne Motiv, Sinn oder Zweck. Der Riddler von Jim Carrey stiehlt die ganze Show des Films, allein schon visuell strahlt der Film pures Giftgrün mit allerlei Leuchtfeuern und das möglichst grell. Dummerweise kann man den Riddler auch nur auf "verrückt" reduzieren, da er wie Two-Face in diesem Film nicht seinem Charakter entspricht, sondern ebenfalls ein billiger Joker-Klon ist. Außerdem spielt hier Jim Carrey keinen Riddler, er spielt nur sich selbst, bzw. die Rolle für die er in den Filmen zuvor bekannt war ("Ace Ventura", "Die Maske", usw.). Nicole Kidman als "love interest" ist zwar nicht begeisterungswürdig, aber definitiv chiropteraphil, das ist sicher. Ehrlich gesagt ist sie wahrscheinlich gruseliger als die Bösewichte und dennoch ein Traum für Männer, die sich gern in Latexkostümen einer Fledermaus kleiden.

Doch nicht alles ist so schlecht wie es scheint, denn ein guter Aspekt dieses Films ist Robin, so ungern man das am Ende zugeben kann. Jaja, die Ursprungsgeschichte wurde minimal manipuliert und Dick Grayson ist hier bereits ein erwachsener junger Mann (ehrlich gesagt sieht er nur wenige Jahre jünger als Bruce Wayne aus), der versucht mit dem Tod seiner Familie fertig zu werden und aus sich herauswachsen muss. Es ist nicht wirklich die Darstellung, die ich mir für den Charakter vorstelle, aber Chris O`Donnell hat einen akzeptablen Job hingelegt. Als ein rebellischer und verwirrter Jugendlicher ist er ganz OK.

Fazit: "Batman Forever" ist sicher, kindgerecht und gut zum Weiterverkaufen. Ein ziemlich durchschnittlicher Film, wie für das Batman-Franchise, so auch generell als Sommerblockbuster.

"Batman & Robin" (1997)
Story:  Mr. Freeze versucht mit einer Reihe von Diamanten seine Frau Nora wiederzubeleben...oder ganz Gotham zu vereisen. Hinzu gesellt sich der verrückte Doktor Pamela Isley aka Poison Ivy mit ihrem muskelbepackten Handlanger Bane, die auch noch Chaos anrichten will...

Erst einmal: Was auch immer ihr über den Film gehört habt, es stimmt. Er ist wirklich, wirklich, WIRKLICH schlecht und absolut abstoßend in der Art, wie sehr es auf Mainstream getrimmt ist. Versteht mich nicht falsch, Batman war zu diesem Zeitpunkt bereits richtig mainstream, aber die Tatsache, dass der Regisseur hier noch mehr als im Vorgänger auf Story, Charaktere und alles andere scheißt, da ihm nur die Effekte und der Look wichtig sind - sowas ist in meinen Augen ein Schlag ins Gesicht des Zuschauers, weil man annimmt, er wäre nur mit Visuellem abzutun und bräuchte keinerlei Niveau für sein Geld. Nicht alles muss hohe Kunst sein, aber die hier präsentierte Faulheit ist sehr offensiv in meinen Augen, auch wenn Joel Schumacher selbst mehrmals bestätigte, diesen Film als glühender Batman-Fan nicht so zu verunstalten; er stand nur zu sehr unter dem Einfluss der Produzenten, die einen kommerziell möglichst vermarktbaren Film wollten und das geht meistens nur mit dem untersten aller Niveaus. Aber lasst mich noch die Charaktere passend zusammenfassen (Achtung, mögliche Witze im Anflug und nochmal Achtung, weil es relevant sein könnte):

Mr. Freeze sollte eisig sein, ist aber stattdessen das Produkt der kalten Schulter des Regisseurs; Arnold Schwarzenegger bietet ein unterkühltes Schauspiel , welches mich einfach nicht zum Schmelzen gebracht hat. In Sachen Hintergundgeschichte hat man das coole Konzept der Animationsserie übernommen, welches aber hier lediglich auf dünnem Eis steht und somit in die wohlverdiente Kühltruhe gehört. Kurz gesagt: Mr. Freeze hat mich einfach kalt gelassen. Obwohl er für die unfreiwillig komischste Szene im ganzen Film sorgt. 
Poison Ivy ist einfach nur ein Augenschmaus, denn egal wie sehr Uma Thurman sich anstrengt, so kann sie ihren Charakter nicht wirklich glaubwürdig rüberbringen. Bane ist wohl der traurigste Fall, denn während er in den Comics ein hochintelligenter und mächtiger Widersacher von Batman ist, so verkommt er hier zu einem gehirntoten Zombie. 
Die Liste der Scham führt sich bei unseren Helden fort, denn George Clooney ist wohl der schlechteste Batman-Darsteller überhaupt; Val Kilmer mag blass sein, aber nicht so wie "ich scheiße eh auf alles und wo ist mein Check"-Clooney, dem es im Inneren wohl sehr wehtat, Dialoge aus einem wahrlich amateurhaft geschriebenem Script zu vorzutragen. Chris O`Donnell und Alicia Silverstone sind ihrerseits absolut unterste Schublade als Robin und Batgirl, denn keiner der beiden wird seinerseits seinem Charakter wirklich gerecht und beide sind unglaublich nervig.

Zum Abschluss kann ich euch diesen Film nur als Trinkspiel erwähnen: Trinkt einen Shot sobald ihr Mr. Freeze irgendwas eis-lastiges sagen hört und zwar dann, wenn es offensichtlich vermeidbar ist. Bereitet euch auf eine Zahl zwischen 60 und 70 vor. Für die Hardcore-Leute gibt es noch die Version, in der man die Helden mit ihren Bemerkungen miteinbezieht.

Fazit: "Batman & Robin" ist nicht der schlechteste Film aller Zeiten, aber auf jeden Fall eine Katastrophe als Batman-Film. Bietet sich aber gut als Trinkspiel an, was soll man sagen.

Samstag, 21. Juli 2012

Batman-Monat: The Animated Series + "Batman und das Phantom"

Aufgrund der Ereignisse in Denver wurde dieser Post als Anzeichen von Trauer nicht an seinem ursprünglichem Datum gepostet. Ich persönlich wünsche allen Angehörigen nur das Beste und möge der Täter die gerechte Strafe bekommen.
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 Nach dem Erfolg von Burtons "Batman" und "Batmans Rückkehr" konnte das Team rund um Bruce Timm und Eric Radomski von Warner Bros. Animation Studios (in den 80ern/90ern für vielerlei klasse Cartoons verantwortlich) endlich grünes Licht bekommen für eine Animationsserie rund um Batman und sein Universum. Das Produkt sollte nicht nur eine der besten Animationsserien seiner Zeit oder überhaupt werden, sondern auch noch von vielen (mich eingeschlossen) als die beste Repräsentierung des Dunklen Ritters abseits der Comics.

Was die Serie deutlich von Konkurrenzprodukten unterschied, war der Stil und Fokus. Versteht mich nicht falsch, das Ganze war immerhin als Kinderunterhaltung konzipiert, lief am Samstagmorgen und konnte wegen der strikten Zensur keine explizite Gewalt zeigen. Dennoch wurde hier etwas erreicht, was für damalige wie für heutige Zeiten unnötig schien: Man kreierte etwas, was auf (keine kleinen) Kinder zugeschnitten war und mit der ernsten Thematik im Hintergrund auch Erwachsene ansprechen konnte. Hauptsächlich angelehnt an die Burton-Filme und den Miller-Comic "The Dark Knight Returns", erschuf das Animationsteam ein dunkles, depressives und "film noir"-Gotham mit all der Seriösität, die sich mit Grau und Schwarz unterlegen lässt. Die Tatsache, dass Grau und Halbdunkel in diesem Cartoon dominieren untersützt nur die Ernsthaftigkeit, die exzellent geschriebenen Dialoge und allerlei Storys in den einzelnen Episoden, wo es in 22 Minuten um verschiedenste Themen wie Rache, unerwiderte Gefühle, Vergebung usw. - alles so gemacht, dass es nie einfache Antworten auf das "Warum ?" gab. Die Bösewichte waren allesamt komplizierte Figuren, die nicht einfach nur böse waren; generell gab es nie wirklich eine komplett klare Linie zwischen Schwarz und Weiß, Gut und Böse - man hatte nicht nur stets den Standardcast von "good guys" von Batman über Alfred bis Comissioner Gordon, bestimmte Episoden kümmerten sich auch sorgfältig um das Einführen der Bösewichte, die nicht einfach nur Comic-Gegner von Batman waren, sondern normale Menschen sein könnten, die ihrerseits aus verschiedenen Gründen in den Wahnsinn getrieben wurden.

Kombiniert all das mit exzellenter Synchronsprecherarbeit, insbesondere von Kevin Conroy als Batman und Mark Hamill als Joker (beide sind meiner Meinung nach DIE besten Batman und Joker), dem Soundtrack um Shirley Walker (die sich ihrerseits stark an Danny Elfmans Soundtrack anlehnt)  und einem der besten Animationsstudios aller Zeiten und ihr habt eine Serie, die sich noch heute nachhaltig auf das Batman-Franchise auswirkt, als dass es nicht nur die Hintergrundgeschichten der Helden und Schurken neu definiert hat, aber auch z.B. Harley Quinn (Jokers Handlangerin) erfunden hat. Hier noch kurz das Opening, das in den ersten 2 Staffeln benutzt wurde:

Fazit: Ich kann diese Serie jedem Batman- und Animationsfan wärmstens empfehlen, da sie für eine Zeit steht, als man sich noch mit sowas Mühe gegeben hat und es nicht nur darum ging, möglichst billiges Entertainment zu produzieren. Das ist ein sehr gutes Beispiel dafür, dass Animation nicht nur auf Kinder als Publikum reduziert werden kann/soll/muss, sondern auch Massen ansprechen kann.

"Batman und das Phantom" (1993)
Story: Batman bekommt eine unfreiwillige Konkurrenz im Verbrechenbekämpfen durch das mysteriöse Phantom, das seine Opfer im Gegensatz von Batman tötet und auf unglückliche Weise ihm auch noch die Tode unterjubelt und diesen somit arg in Bedrängnis bringt. Hinzu kehrt noch die ehemalige Verlobte von Bruce in Gotham zurück und der Joker scheint sich auch noch einzumischen...

Im Stil der Animationsserie erwartet den Zuschauer nicht nur 1A-Animation, sondern der Batman, der in eben dieser entwickelt wurde: Ein komplizierter Charakter mit mehreren Facetten innerhalb seiner drei Hauptpersönlichkeiten: Batman, publike Bruce Wayne und der wahre Bruce Wayne. Man lernt durch klug platzierte Rückblenden, die negativ proportional zum Geschehen eingesetzt werden, wie aus einem jungen Mann, der mit seiner Vergangenheit und Schuldgefühlen fertig werden will, der Schrecken aller Verbrecher in Gotham wird. Dies wurde zwar schon in der Serie in zahlreichen Episoden angedeutet, aber erst hier sehen wir die Schlüsselereignisse, die Bruce zu seiner geheimen Identität inspiriert und bewegt haben; man erfährt, wie weit er als Mann und Mensch gehen musste, um der zu werden, der er nun ist und wie ihn die Tragik der Vergangenheit und des Alltags immer wieder einholen wird: Egal wie sehr er versuchen wird, fröhlich zu sein, so wird er immer wieder von seinen Dämonen eingeholt, denen er sich dann auch ultimativ stellen muss, indem er das Bild seiner Angst an sich selbst anlegt. Und genau deshalb ist dies mein beliebtester Batman-Film, weil er auf den Helden fokussiert ist und obwohl die Schurken nicht ganz unwichtig sind, so ist es die komplexe und tiefe Charakterentwicklung, die einem aufzeigt, wieso man diesen Charakter mag und wieso man das Franchise mag. Abseits dessen brauche ich wohl nicht zu erwähnen, dass die Synchronisation spitze, die Action sensationell und die Handlung sehr glaubwürdig (für das Universum) ist. Seid bereit für einen krassen Twist...oder vielleicht auch zwei.

Fazit: Einer der wenigen Fälle, wo der Fall und Triumph eines Helden recht nah beieinander liegen und doch Teil eines Ganzen bilden, anstatt es zu separieren. "Batman und das Phantom" zeigt eine solche Fürsorge für seine Charaktere, die die meisten Batman-Filme nicht erfüllen können, egal ob animiert oder nicht. Meine Empfehlung an jeden Batman-Fan, ihr werdet es nicht bereuen.

Donnerstag, 19. Juli 2012

Batman-Monat: Tim Burtons Filme

1986 gab es für das Batman-Franchise eine von den Hardcore-Fans gewünschte Veränderung Richtung mehr Ernst dank dem Frank Miller-(bekannt für "Sin City" und "300")Comic "The Dark Knight Returns" aus dem Jahr 1986. Es war dunkler, ernster und um einiges gewalttätiger als der Batman, den der Mainstream seit den 60ern kannte. Die Idee für eine Neuinterpretierung schwirrte dann einige Zeit in Hollywood rum, bis ein damals junger und visionärer (und noch eher unbekannter) Regisseur Tim Burton um das Projekt kümmerte und so die Ehre hatte, den cineastischen "Neuanfang" Batmans zu starten.

"Batman" (1989)
  Story: Gotham City rätselt über die mögliche Existenz einer Riesenfledermaus namens Batman, während der Kleinkriminelle Jack Napier sich mit seinen eigenen Geschäften rumschlägt, bis er sich durch Industriegift vollkommen verändert...

Wie für einen Burton-Film üblich, liegt der Schwerpunkt des Films doch tatsächlich auf dem Stil Gothams, des Helden und Schurken und überhaupt wirkt der Film wie ein Comic. Nicht so detailliert-szenenhaft wie "Sin City", aber von der dunklen Atmosphäre, dem zeitlosem Design Gothams her, aber auch vor allem aufgrund der Erzählstruktur weiß "Batman" immer, was es sein will: Ein Comic-Film über einen Comic-Helden und nicht viel mehr. Burton will gar nicht versuchen, einem seine Weltansichten großartig anzuheften, sondern einfach nur seine Version des Batman präsentieren, auch wenn es bei diesem Film noch halbwegs zensiert war (er ist bei weitem nicht so verrückt, bizarr oder abstrakt wie er sein könnte). Diese düstere Version wird durch den (meiner Meinung nach) besten Batman-Soundtrack unterstützt, beigesteuert vom Burton-Freund und klasse Komponist Danny Elfman, auch bekannt für die Simspons-Melodie und das Theme von "Spider-Man".

Nun kommt ein wichtiger Aspekt, nämlich Michael Keaton als Batman/Bruce Wayne. Ich mag hiermit vielleicht in der Minderheit sein, aber ich persönlich denke, dass Keaton der beste Live-Action-Batman ist, weil er nie im Leben auffallen würde; Keaton ist der "every-day-guy", niemand würde auch nur für eine Sekunde daran denken, dass so ein Typ Batman sein könnte. Keaton ist kein ausschweifender Playboy, sondern ein Mann, der zwar sein Leben genießt (er bekommt die Journalistin Vicky Vale ziemlich schnell ins Bett), aber damit nicht übertreibt; mit anderen Worten: Er behält all seinen Schmerz und Probleme in sich, weil er weiß, dass er sich damit alleine auseinandersetzen muss. Mitten im Film gibt es eine sehr gute Szene, die zeigt, wieso Keaton so gut ist: Er legt Rosen auf die Stelle, wo seine Eltern umgebracht wurden und er zeigt keinerlei Emotion, er behält all den Schmerz in sich selbst und man kann sehen, wie er mit sich selbst kämpft. Und das gefällt mir am besten an ihm: Er ist Bruce Wayne und Batman in einem, man sieht, dass er niemals das eine oder das andere ist; beides ist viel zu sehr miteinander verknüpft, das eine kann nicht ohne das andere existieren.

Der Show-Stealer hier ist aber eindeutig Jack Nicholson als der Joker. Wen wunderts ? Er spielt fast immer psychopatische Arschlöcher, also war die Rolle perfekt für ihn und JA, er ist der klassische Joker (auch wenn die Figur nicht stimmt). Dafür war er witzigerweise verrückt, wahnsinnig und man kann ruhig sagen, dass er sogar irgendwie liebenswürdig ist - egal, ob er Leute umbringt oder nur einschüchtert, man lacht einfach mit und fühlt sich hinterher schuldig. Ob er der beste Live-Action-Joker ist, dazu werde ich noch den Vergleich machen. Sicher kann ich nur sagen, dass Nicholson den klassischen Joker perfekt darstellt und zwar so gut, dass er womöglich einen der besten Bösewichte des Films mimt. Ja, wir wissen alles über ihn und ja, er hat Bruces Eltern umgebracht (was ja nicht stimmt) - das hilft hier aber besser, um die Held vs. Schurke-Beziehung zu etablieren und Burton probiert jede nur erdenkliche Möglichkeit, Keaton und Nicholson aufeinanderprallen zu lassen. 

Über die Nebendarsteller kann ich außer "War ein guter Job" nicht viel zu sagen, denn der Film ist auf ein "Mano-a-mano" zwischen Batman und Joker ausgerichtet, alles andere wird heruntergespielt. Hierbei kann ich eigentlich nur Tracey Walter als "Bob", den Handlanger von Joker erwähnen, denn er hat diesem Charakter durch sein Schauspiel eine Art Kultstatus gegeben - ungefähr wie Boba Fett aus "Star Wars".

Fazit: "Batman" ist wahrscheinlich die erste der Comic-Adaptionen, die unglaublich nah und mit sehr viel Respekt an die Figur(en) tritt und mehr als zufriedenstellend seine Aufgabe als Tributzoller erfüllt. Burton mag ja Freaks und Batman scheint ihm zugesagt zu haben, denn das ist DER Batman, über den in den 80ern die Comics geschrieben wurden. 

"Batmans Rückkehr" (1992)
Story: Aus dem Nichts tauchen in Gotham nicht nur der Pinguin auf, der als Bürgermeister kandidieren will, sondern auch noch die mysteriöse Catwoman, die nur ihren eigenen Prinzipien zu folgen scheint...

Nach dem Erfolg von "Batman" (400 Mio. Dollar Einspielergebnis) wurde Burton die volle Freiheit gegeben und man sieht es: Alles ist noch dunkler, depressiver und krasser - wie die Atmosphäre, so auch die Gewalt. Aber hey, Batman hat zu damaligen Zeiten noch die Verbrecher in den Comics umgebracht, also ist das Ganze für moderne Zuschauer vielleicht nicht ganz so einfach zu verstehen. Diesmal, anders als beim Vorgänger, liegt der Fokus nicht so sehr auf dem geheimnisvollem Helden und seiner Beziehung zu dem lauten und bombastischen Joker, sondern komplett auf den zwei neuen Bösewichten: Der Pinguin und Catwoman. Man bekommt also zwei Ursprungsgeschichten in einem Film und ich kann sagen, dass ich mit beiden zufrieden war. Der Pinguin ist ein traurig-missverstandener Freak, der aufgrund vieler zufälliger Fehler der Gesellschaft zu dem wird, was er ist, nämlich ekelhaft und böswillig. Plus, er wird perfekt von Danny DeVito gespielt...das hilft natürlich auch, denn er geht vollkommen in seiner Rolle auf. Catwoman von Michelle Pfeiffer ist auch ein interessanter Charakter, denn sie weiß eigentlich wirklich nicht, was sie wirklich will und deshalb eigentlich die perfekte femme fatale ist. Schön, hinterhältig, undurchsichtig, manipulativ - Anne Hathaway wird für mich in große Fußstapfen treten müssen (Halle Berry erwähne ich an dieser Stelle lieber nicht).

Fazit: Auch hier werde ich entgegen dem Mainstream schreiben müssen, denn ich denke, dass die Fortsetzung einen Tick schwächer ist als dass Original. Das Ganze ist mehr ein Tim Burton- als ein "Batman"-Film mit der verschärften düsteren Atmosphäre und gotischem Stil und trotz zwei sehr gut gespielter Bösewichter fehlt ein gradliniger Aufbau der Geschichte, die zu solch Filmen am besten passt. Ich sage nicht, dass "Batmans Rückkehr" ein schlechter Film ist, aber leider einen Tick schlechter, weil der Fokus, bzw. der Sinn und Zweck der Narrative in diesem Fall zwar ausgeweitet, aber einem dennoch leer vorkommt. 


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