Sonntag, 5. Februar 2012

Der "typische Rudolf" - ein höchst polemischer Kommentar

Zuallererst: Seit kurzem ist die Kommentarfunktion für alle freigeschaltet, ihr könnt anonym oder einfach per Name kommentieren und müsst kein Google-Konto besitzen.

Zum Thema: Was ist "polemisch" ? Laut dem Duden (Quelle: Duden.de) bedeutet das Nomen "Polemik" einen "scharfen, oft persönlichen Angriff ohne sachliche Argumente im Bereich der Literatur, Kunst, usw.". "polemisch" wäre dann laut der Definition eben eine solche Art, seine Argumente zu präsentieren. Damit hätten wir also die Definition geklärt und können mit dem Beispiel anfangen.

Es geschah am Donnerstag Nachmittag in einem bestimmten Englisch-LK der Oberstufe, der 13. Klasse um genau zu sein. Die Hausaufgabe war das Verfassen eines Reviews für den Oscar-prämierten Film "Eine unbequeme Wahrheit" und ich wollte mein Review unbedingt vorlesen, weil
1. ich es für ziemlich gut hielt
2. ich wusste, dass mein Schreibstil die generelle Atmosphäre des Kurses auflockert
3. ich die Lehrerin etwas durch meine Ehrlichkeit sowie Offenheit ärgern wollte
4. ich schon länger was zu diesem Film sagen wollte
5. ich mal Abwechslung in die allgemein eher gleich klingenden Reviews bringen wollte

Das ganze Review jetzt hier zu zitieren wäre etwas zu lang, aber es fiel im Prinzip so aus: Ich mochte den Film nicht, weil er durchgehend nicht bei der Sache bleibt und eine Al Gore-Werbekampagne wird, aber auch weil sehr viele Statistiken, Zahlen und Tabellen, mit denen Mr Gore jongliert, einfach falsch sind oder in einen falschen Zusammenhang gebracht wurden. Dabei habe ich sogar zwei Beispiele gebracht, nämlich das Schmelzen des Kilimandscharo (welches unabhängig von der "globalen Erwärmung" startete) und das Schrumpfen des Tschadsees (das eher mit einer amateurhaften Nutzung zusammenhängt und nicht mit einem "Klimawandel"). Und ja, ich ließ mich auch dazu hinreißen zu sagen, dass ich den Klimawandel anzweifle, weil er in meinen Augen nicht genug Beweise bietet und dass dieser Dokumentarfilm für mich wegen relativ vielen Fehlern keine Doku ist, sondern eher eine Ego-Show von Al Gore, der sich mehrmals als Strahlemann und perfekter Mensch präsentiert.

Jetzt dürft ihr dreimal raten, wie das Kommentar bezüglich der Mitschüler und vor allem der Lehrerin ausgefallen ist. Ein Kommentar einer Mitschülerin ist mir besonders im Kopf geblieben ("Ein typischer Rudolf") , und den werde ich hier nun erklärend zitieren (sie hat nichts dagegen; hat im Prinzip selbst angegeben, was sie damit gemeint hat):
"
also das war soooo typisch rudolf weil:
1. du imer gegen alles bist
2. jeder film/buch/gedicht....grundsätzlich kritisch genommen wird
3. du generell deinen eigenen (guten) schreibstil hast
und sonst....hm..das passte einfach wieder total dass du damit anfingst von wegen es gibt ja gar keinen content und so was eben"

Mein persönlicher kleiner Kommentar zu den Punkten:
1. Wenn es so rüberkommt, tut es mir leid, aber es ist einfach nicht so. Alleine dieser Blog entält mehr als genug Sachen, denen ich nicht "anti" gegenüberstehe^^
2. Jepjep, so ist meine Art nunmal. Mit allzu rosa Brillen alles zu betrachten ist nicht so meins^^ Wobei ich ja versuche, möglichst konstruktiv zu kritisieren und/oder kommentieren, sprich: Grundlos würde ich nichts attackieren. Falls ich das in jüngster Vergangenheit tat, habe ich nun Gründe, mich zu rechtfertigen.
3. Fühle mich geschmeichelt, wie so ziemlich jeder, der positives Feedback bekommt.
Zum Rest: Ich kann ja auch nichts dafür, dass Dokus niemals einen richtigen Plot haben. Ja, es gibt diese "Das Leben von...", "Die Schlacht von...", und doch ist es ja wahr, nicht ? Dokus tragen ja im Prinzip Infos zusammen und stellen sie in einem Prozess dar; Filme allgemein unterliegen keinen allzu festen Regeln, außer dass es "bewegende Bilder" sein müssen (wörtlich gemeint).
Wenn "Eine unbequeme Wahrheit" im Prinzip ein Zusammenschnitt von Al Gores Präsentation über das Thema Klimawandel plus Ausschnitten aus seinem Leben ist, dann hat die Doku für mich keinen Plot. Oder kann man "hält Präsentation, zeigt stolz vielfach falsche Fakten und zeigt sich als Mr Perfect" als einen Plot bezeichnen ? Hm...

Doch jetzt kommt der Knüller, nämlich der Kommentar meiner Englisch-Lehrerin. Für die, die kein Englisch mit mir haben: Wir pflegen eine besondere "Beziehung" seit der 11. Klasse, wobei ich darüber woanders schreiben werde, nicht hier (freut euch auf die Abizeitung !). Sagen wir es mal so: Ich habe eine höchst polemische Art, weil ich mich allzu oft von der allgegenwärtigen Meinung lösen würde und damit ein "bad boy" wäre. Selbstverständlich bekam ich auch hier von ihr das "P-Wort" zu hören, weil ich angeblich absolut unsachlich und grundlos den Film gebasht (schlecht bewertet) habe. Es sei schließlich nur allzu polemisch, das Erscheinungsjahr und den Regisseur des Films zu erwähnen sowohl auch die Frechheit zu besitzen, den Klimawandel und den Jesus-Nachfolger Mr Gore anzuzweifeln.

Nett, aber ist es dann nicht auch polemisch, seine Mitschüler vor der Klasse fertig zu machen oder sie hinter ihrem Rücken bezüglich ihrer Kleidung/Aussehens zu beleidigen ? Hm...

An dieser Stelle beende ich meinen Post und überlasse das Nachdenken denen, die dies alles gelesen haben. Danke für eure Aufmerksamkeit und euer Durchhaltevermögen (bei soviel Polemik) ! Es wäre auch sehr freundlich, einen Kommentar zu hinterlassen, was ihr (wie am Anfang erwähnt) jetzt ohne Probleme machen könnt, ob mit oder ohne Namen.

Samstag, 4. Februar 2012

Disney-Monat: "Drei Caballeros" und die WW2-Zeit

"Drei Caballeros" (1944)

Story: Donald Duck öffnet an seinem Geburtstag Freitag dem 13. (ist ja nicht umsonst ein Pechvogel) Geschenke von seinen südamerikanischen Freunden.

Ja...ähnlich "Saludos Amigos" hat dieser Film keine richtige Story, sondern besteht eher aus Kurzfilmen über Südamerika. Diesmal gibt es aber nicht nur Animationen und Reallife-Sequenzen, sondern auch gemischt und das für die Zeit gar nicht mal so schlecht. Was in "Fantasia" mit einem kurzen Dank von Mickey Maus an den Dirigenten begann, hier im letzten Drittel fortgeführt wurde, um dann 1988 endlich perfektioniert zu werden...aber dazu komme ich ja noch. Die Animationen sind gewohnt grell, bunt und diesmal sogar öfters schnell, was bei handgezeichneten Bildern ein sehr großer Aufwand gewesen sein muss. Charakterbezogen bekommt Donald hier erneut Gesellschaft von José Carioca und dem dritten Mitglied der Caballeros, dem Hahn Panchito. Beide sind zwar dynamisch auf ihre Art und Weise, aber sind nicht ausdrucksstark genug, um einen wahrhaft dauerhaften Eindruck zu hinterlassen.

Das ist auch schon im Prinzip eines der Hauptprobleme des Films: Genauso wie "Saludos Amigos" wurde es extra für den südamerikanischen Markt geschaffen und enthält ein paar Songs gemischt mit willkürlichen, abgedrehten und bunten Sequenzen, wobei man noch zwei Kurzfilme reinquetschen wollte. Insgesamt ist es ungefähr wie sein Vorgänger, vielleicht etwas besser, aber nicht besonders viel; auf Dauer wird selbst die schönste Animation langweilig und diesem Film gelingt das leider auch.

WW2-Zeit

Wie bei allen Teilnehmern des 2. Weltkriegs gab es auch in Amerika diverse Propaganda in allerlei Medien, um die eigene Front sowie die Zivilisten daheim gegen den großen Feind Nazi-Deutschland und auch Nazi-Japan + Nazi-Italien einzustimmen. Bemerkenswert war dabei die Tatsache, dass dieses Phänomen sich vor allem in den Cartoons von damals zeigte: Disney, Warner Bros. und andere große Studios produzierten fleißig provozierende Filmchen und haben auf ihre Weise zur damaligen Stimmung beigetragen.

Da ich hier einen Monat lang über Disney-Filme reden wollte, konnte ich nicht einfach die WW2-Zeit auslassen. Denn ausgerechnet zwei Disney-Kurzfilme sind noch bis heute das Paradebeispiel für den damaligen Zeitgeist, wobei eines davon dank des Themes unsterblich wurde und einen Academy Award für den besten Kurzfilm bekam. Ich werde wohl einfach die Kurzfilme hier rein posten, damit sich jeder ein Bild für sich machen kann. Ja, der erste und der letzte sind recht patriotisch, aber ich bin etwas erstaunt, dass man bei dem zweiten ein bisschen schlauer vorgegangen ist und man wirklich versucht hat, den Feind halbwegs ehrlich zu zeigen. Von daher: Disney steht nicht nur für eure Lieblingszeichentrickfilme, sondern auch für die berühmtesten Propagandafilme seiner Zeit (wobei ich den zweiten sogar als fast schon lehrreich, aber auch sehr ernst bezeichnen würde).

"Der Fuehrer`s Face":



"Education for Death":



Und noch was als Nachschlag, nämlich "Spirit of `43":






Freitag, 3. Februar 2012

Disney-Monat: "Bambi" und "Saludos Amigos"

"Bambi" (1942)

Story: Man erlebt im Prinzip das Leben vom Bambi, wie er von einem Reh zu einem Hirsch wächst und währenddessen vieles erlebt, das Gute wie das Schlechte.

Ich glaube, dass der Fokus auf den Protagonisten (im Gegensatz zu dem vorherigen "Dumbo") genau das war, was diesen Film so unsterblich und fest verankert in der Pop-Kultur machte. Jeder kennt ja auch die berühmte Mutter-Szene, aber zu der komme ich gleich. Bambi selbst ist meiner Meinung nach ein ziemlich guter Charakter: Er ist im Prinzip wie ein Jedermann, der mit seinen Aufgaben und Herausforderungen wächst, um die Schwierigkeiten des Lebens zu meistern; während es in seiner Kindheit nur Eis ist, so ist es später ein Rivale und gegen das Ende der Mensch höchstpersönlich. Zudem sieht man auch eine Wandlung in Bambi: Als Kind ist er noch scheu und schüchtern und dann kommt die Szene, wegen der man sich an diesen Film am meisten erinnert, sie selbst ist mittlerweile ein Meme an sich. Genau, der Tod von Bambis Mutter. Aber mal ganz ehrlich: Ich fand den Tod jetzt nicht sooo schlimm, wie er hochgeweint wird. Ja, es ist unschön, wenn Tiere sinnlos erschossen werden, aber ich fand es eher bizarr als traurig. Jaja, ich komme dafür in die Hölle, und doch fand ich es weder damals noch heute wirklich traurig...immerhin kommt sofort hinterher eine "Tralalala"-Szene, bei der ich nicht mal heute weiß, wie ich mich dabei fühlen soll. War das ein Versuch, die Trauer und die Tiefe des Todes harmloser aussehen zu lassen ? Man will ja nicht zu grausam klingen, aber auch Kinder müssen realisieren, dass solche Sachen wie der Tod so nicht ablaufen, wo dann sofort danach die Vögelchen anfangen zu singen und alles Friede-Freude-Eierkuchen ist.

Was mich neben dem soliden Protagonisten beeindruckte, waren zwei andere Sachen: Der Wald und der Mensch als Antagonist. Vielleicht ist es übertrieben zu sagen und ich habe Unrecht...ist euch aufgefallen, wie realistisch der Wald animiert ist in allen seinen Jahreszeiten ? Ich habe selten die Natur so gut animiert gesehen und für 1942 war es bestimmt ein Wahnsinnswerk. Und zwar so eins, dass man eigentlich seit 1937 daran arbeitete und es vielleicht auch deshalb zu Disneys persönlichem Liebling wurde, gerade weil er so viel Arbeit reingesteckt hat. Natürlich ist da noch der Mensch und ein weiterer Punkt, wieso ich den Film mag ist: Man sieht den Menschen nie wirklich, aber man spürt ständig seine Präsenz in den eher dunkleren Passagen in der 2. Hälfte des Films, z.B. als Bambis Mutter erschossen oder der Waldbrand gelegt wird.

Am Ende bleibt nur eins zu sagen: Ich mag den Film trotz oder gerade wegen seiner Einfachheit; man braucht halt nicht immer überkomplizierte Geschichten, um diese zu genießen. Manchmal reicht es einfach ein Leben zu sehen und wie es sich entwickelt, da jeder ein anderes hat und doch jeder mit dessen Schwierigkeiten zu kämpfen hat, was ja auch faszinierend ist. Für mich ist "Bambi" ein wahrer und zeitloser Klassiker, der niemals an Aktualität verlieren wird. Das dachten sich bsw. auch Steven Spielberg mit "Jaws" (der Mensch wird in "Bambi" genauso dargestellt wie der Hai in "Jaws" für den Großteil) oder die Macher von "Der König der Löwen", der ja auch teilweise von "Bambi" inspiriert wurde.

"Saludos Amigos" (1943)

Story: Wie in "Fantasia" gibt es hier keine eindeutige Story...eigentlich ist es nur der Besuch von Disney und 20 Künstlern, Komponisten, usw. in Südamerika, spezifisch Brasilien, Argentinien, Chile und Peru.

Wie das Jahr es andeutet, hatte dieser Film was mit dem 2. Weltkrieg zu tun. Um bessere Kontakte mit dem südamerikanischem Publikum zu knüpfen (man wusste von Verbindungen mit Nazi-Deutschland aber auch von der Vorliebe für Mickey Maus), schickte man also Disney und sein Team dahin...um einen Film über die Region zu schaffen und "Saludos Amigos" kam heraus. Bedauernswerterweise ist die Geschichte/Grund des Films viel interessanter als er selbst: An sich ist er nur 42 Minuten lang, ist halb Urlaubsvideo und halb willkürliche Animationen, wobei diese nicht mal herausstechen. Der Film ist nicht schlecht oder miserabel, aber außer der Episode, in der argentinische Kleidung dank Goofy erklärt wird und dem eigentlich schönem Soundtrack gibt es hier nichts wirklich Nennenswertes...O.K., das ist der Film, in dem der grüne Papagei José Carioca seine Geburtsstunde hatte. In diesem Film spielt er noch keine große Rolle, aber im nächsten Film wird er einer der Gründungsmitglieder der "Drei Caballeros" sein.

Wie gesagt: Nicht hundsmiserabel, aber auch nicht das Gelbe vom Ei. Als Lückenfüller vielleicht noch halbwegs gut, aber als ein eigenständiger Film zu schwach.

Donnerstag, 2. Februar 2012

Disney-Monat: "Fantasia" und "Dumbo"

"Fantasia" (1940)

Story: Ähm...es gibt keine...

Naja, "Fantasia" wurde vom guten alten Onkel Walt zuerst gar nicht erst geplant, eigentlich wollte er seinen Liebling Mickey wieder berühmt machen, denn der wurde so gegen 1937 langsam unpopulär und langweilig (Donald FTW !). Da kam ihm die Idee, seine berühmteste Kreation in den Goether "Der Zauberlehrling" zu setzen, um Mickey mal wieder einen Hit zu verschaffen. Erst der engangierte Dirigent Leopold Stokowski, der übrigens vollkommen umsonst mitmachte, kam auf die Idee, den "Zauberlehrling" als eine von 9 Episoden in einen richtigen Film zu integrieren, der im Prinzip aus Disney-Animationen passend zur klassischen Musik bestehen sollte.
Und genau so werde ich die Beschreibung des Films für euch auch lassen, denn obwohl "Der Zauberlehrling" unweigerlich wegen seinem Star die mittige Episode ist (sowie das Cover ziert), so ist "Fantasia" viel mehr als das, es ist im Prinzip ein Erlebnis von Musik. Bis auf kurze Sequenzen, in denen Musikkritiker Deems Taylor kurz etwas über die folgende Episode sagt, ist der ganze "Film", ja eigentlich eher Konzert, nur Musikkompositionen mit Disney-Animationen untermalt. Ich persönlich finde, dass die Zeichner eine unglaubliche Arbeit geleistet haben, um einige der berühmtesten Stücke in Bildern umzusetzen. Die Verbindung könnte in dem Fall nicht besser sein, denn nicht selten berühren manche Szenen einen - entweder weil sie den eigenen Vorstellungen entsprachen, einen zum Lachen, Nachdenken oder Ähnlichen brachten, Hauptsache, dass sie Emotionen in einem ausgelöst haben.
Insbesondere kann ich euch die zwei letzten Episoden ans Herz legen, weil ich sie doch ziemlich beeindruckend und bildgewaltig fand. Disney-Animation sah da nämlich nur so gut aus, wie sie in besten Fällen auch aussehen sollte: Meisterhaft, klassisch und zeitlos. Leider hat dieser Film trotz zahlreicher Neuveröffentlichungen Disney selbst fast in den Ruin getrieben und wurde ein großer Flop, weshalb sich nicht viele an ihn erinnern, was ziemlich schade ist wie ich finde. Ich würde ihn jedem empfehlen, der entweder an klassischer Musik und/oder Disney-Animation interessiert ist.

"Dumbo" (1941)

Story: Mrs Jumbo, ein Zirkuselefant, bekommt dank einem Klapperstorch ihren Nachwuchs, Jumbo Jr.. Nur leider hat dieser XXL-Ohren und wird daher in kürzester Zeit zum Gespött des gesamten Zirkus; zudem bekommt der Arme auch noch den Spitznamen "Dumbo" und ihm wird seine Mutter weggenommen. Jetzt hat er nur noch seinen einzigen Freund, die Maus Timothy...

"Dumbo" ist meiner Meinung nach ein interessanter Film, denn er versucht nicht, wie "Schneewittchen" oder "Pinocchio" die Grenzen neu zu definieren oder wie "Fantasia" in der Masse aufzufallen. Insbesondere nachdem "Fantasia" ein grandioser Flop geworden ist, musste Disney wohl zurück zu story-basierten Filmen zurückkehren, aber diesmal ist es kein Märchen und interessanterweise steht der Protagonist gar nicht im Fokus; er spricht im ganzen Film keinen Satz. Ich denke, dass es mehr um seine Eindrücke von seiner Umgebung geht und da Dumbo ein Kind ist, wirkt alles natürlich groß, bedrohlich und uneinladend (insbesondere, wenn man ganz alleine auf sich gestellt ist). Ansonsten wirkt das Ganze auch ziemlich bizarr...insbesondere bei der Szene, die ich seit meiner Kindheit fest in meinem Unterbewusstsein aufbewahrt habe: Die rosa Elefanten-Szene. Genau dort wo Dumbo und Timothy...betrunken werden ? (Hm, jetzt gerade realisiere ich, wie merkwürdig das klingt). Ich fand sie damals uneindeutig und genauso finde ich sie auch heute: Ich weiß einfach nicht, was ich aus ihr machen soll, sie ist weder lustig noch gruselig.
Dumbo selbst als Charakter ist ziemlich liebenswert: Er ist ja auch im Prinzip noch ein kleines Kind, welches sehr neugierig und leicht verletzbar ist (deswegen ruft der Film also Mutterinstinkte in Mädchen aus), Timothy ist ziemlich blass und die Krähen...hm. "Dumbo" wurde wegen ihnen der erste Disney-Film, der großflächig wegen möglichem Rassismus diskutiert wurde...ja, Empörung gab es auch schon in "Fantasia", wo in der Originalfassung ein schwarzes Zentauren-Mädchen einem weißen die Hufen poliert, aber das in "Dumbo" war etwas eindeutiger: Im Original wurden die Krähen nicht nur von Schwarzen synchronisiert, es gab auch noch den typischen Slang und Tanzstil. Naja ich weiß nicht, ich hab da keinen allzu offensichtlichen Rassismus gesehen, weder damals noch heute, ich denke einfach nur, dass sie einfach den einen Akzent haben und eigentlich ziemlich cool sind.
Alles in allem ist "Dumbo" für mich einer der besonderen Disneyfilme, weil er für mich wirklich nur wegen einer Szene rausgestochen ist und nicht wegen guten Charakteren oder einer guten Story, auch wenn ich diese aus persönlichen Gründen gut nachvollziehen und mit Dumbo mitfühlen kann. Es ist nicht einer meiner Favoriten, aber dank dem Nostalgie-Bonus würde ich sagen, dass er ziemlich O.K. ist.

Mittwoch, 1. Februar 2012

Disney-Monat: "Schneewittchen und die sieben Zwerge" und "Pinocchio"

Sooo, wer von euch kennt "Disney" ? Ihr wisst schon: Der große, böse, rassistische Konzern, der vom Teufel persönlich kommt ? Aber wir alle kennen die guten alten Disney-Filme, die wir ja trotzdem lieben. Und wir alle wissen: Egal was Disney zurzeit für einen Scheiß abzieht mit seinen Teenie-Formaten, jeder von uns verbindet Disney irgendwie mit der eigenen Kindheit, denn jeder von uns hatte dann und wann einen Klassiker gesehen...

Von daher: Wieso mal nicht einen Monat lang dem wahrscheinlich einflussreichsten Animationsstudio überhaupt Tribut zollen ? Jep, ein ganzer Monat mit allen 51 original Disney-Kinofilmen...plus ein paar Ausnahmen, um ein bisschen Abwechslung reinzubringen. Wäre außerdem interessant, mal eure Meinungen zu hören, da schließlich jeder von uns "seine" Disney-Filme hat, die einen am meisten bewegten, berührten und/oder inspirierten. Also lasst uns loslegen !

"Schneewittchen und die sieben Zwerge" (1937)

Story: Die böse Königin versucht aus Eifersucht, ihre Stieftochter Schneewittchen durch den Jäger umbringen zu lassen. Doch wider Erwarten erbarmt sich der Jäger ihrer und lässt sie am Leben. So trifft sie im Wald auf sieben Zwerge, die sie herzlichst empfangen, doch das Glück währt nicht lange, denn die Königin verwandelt sich in eine alte Frau und versucht sie durch einen vergifteten Apfel zu töten...

Interessant zu wissen, dass dieses erste Meisterwerk aus der Jugendzeit Disneys stammt, als er selbst noch 14 und Zeitungsjunge war: Er sah einen kurzen Stummfilm über...genau, Schneewittchen. Er hat ihn so beeindruckt, dass es gleich sein erster, richtiger Kinofilm war. Nach dem Erfolg seiner "Silly Symphonies" fing er 1934 mit dem Film an und 3 Jahre mit einer Million Zeichnungen (per Hand !), sowie sensationellen 1,5 Millionen Dollar Kosten später kam er pünktlich zu Heiligabend 1937 in die Kinos und wurde mit 8 Millionen ein kommerzieller sowie von Kritikern angesehener Erfolg.

Persönlich...kann ich schon verstehen, wieso dieser Film so hoch gepriesen ist: Die Animation der (wunderschön gezeichneten) Bilder ist wirklich klasse und wurde bis in die Mitt-Achtziger beibehalten vom Stil her. Die Farben sind sehr natürlich und die Designs sind auch sehr kreativ ausgefallen. Natürlich gibt es noch das, woran sich die meisten erinnern: Die 7 Zwerge mit ihren verschiedenen Persönlichkeiten...sie sind allgemein ziemlich liebenswert. Jo...das war`s aber leider auch schon mit dem Positiven. Obwohl der Film ja nichts für die negativen Seiten kann: Es ist ja im Prinzip eine Märchen-Verfilmung, wenn auch nicht eine komplett akkurate. An Märchen ist ja nichts falsch, aber objektiv gesehen sind wichtige Charaktere wie die Königin, der Prinz, der Jäger oder Schneewittchen selbst nicht sehr interessant und ziemlich blass. Wie gesagt, ich gebe den Machern keine Schuld dafür, sie wollten einfach nur mit etwas Zeitlosem beginnen, um sich zu etablieren; zudem man das ganze "Charakter-Zeug" damals viel lockerer sah als heute. Im Endeffekt finde ich den Film viel weniger toll als das, wofür er angesehen wird: Ja, er ist ein Stück Filmgeschichte und ja, er hat eine große Zeichentrickära geprägt (sowie viele Stereotype geschaffen), aber außerhalb der Animation und der Zwerge habe ich in dem Film nichts wirklich Interessantes gesehen. War nicht so mein Fall. Bis auf den Klimax, der ist nämlich super gemacht.

"Pinocchio" (1940)

Story: Gepetto wünschte sich nichts sehnlicher als einen Sohn, aber naja, er hat halt keinen (wie denn auch, wenn man keine Frau hat ?). Also schnitzt er sich eine Holzpuppe in Form eines Jungen und nennt ihn Pinocchio und wünscht sich, dass er am nächsten Morgen ein richtiger Junge werden würde. Die blaue Fee hört ihn und erfüllt seinen Wunsch, aber sie warnt Pinocchio auch, dass dieser sich besser benehmen muss, um eines Tages ein richtiger Junge zu werden...

Dieser Film wird allgemein als der beste Disney-Film überhaupt bezeichnet und man kann sehen wieso: Der eine Grund ist die literarische Vorlage, die zwar auch ein Märchen ist, aber immerhin eine Moral beinhaltet und auch die Umsetzung. Alles Gute von "Schneewittchen" wurde hier beibehaltet und die Fehler wurden größtenteils ausgemerzt: Pinocchio selbst ist ein sehr sympatischer Protagonist. Er ist sehr lebendig, benimmt sich wirklich wie ein kleiner Junge; er ist zwar liebenswert und kein Balg, will aber auch Anerkennung und Respekt; er ist gutmütig und ehrlich wie gierig und verlogen. Die Musik und die Wal-Szene sind fantastisch und ich kann die Moral, sowie die dunkleren Momente des Films loben: Kinder sind nicht zu doof oder zu indifferenziert, um auch mal etwas unfröhlichere Sachen zu vertragen wie das Verwandeln eines Jungen in einen Esel. Man erfährt ja auch nicht, was mit diesen Jungs passiert, ihre Qualen sind übrig für die Fantasie des Zuschauers. Ich mag Jiminy Grille irgendwie nicht; ja, er ist das Gewissen und vergisst niemals, die Moral oft genug in den Vordergrund zu stellen, aber ich fand ihn eher unnötig. Ein Film dieser Klasse bräuchte keine Grille, um den springenden Punkt zu verdeutlichen, Kinder sind schlau genug für sowas. Selbstverständlich ist da noch dieser berühmte "When You Wish Upon A Star"-Song, der seit diesem Film genauso für Disney steht wie die Maus persönlich. Hat schon einen ikonischen Status; erinnert immer daran, dass man immer etwas Positives und Hoffnung haben sollte, wenn man seine Träume erfüllt haben will...Alles in allem ein klasse Streifen, der vollkommen zurecht gefeiert wird und ein Klassiker, der mich auf allen Ebenen überzeugen konnte. Nur die Grille war etwas nervig.
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