Mittwoch, 18. Juli 2018

"Red Sparrow"

Story: Dominika Egorova ist eine bekannte Ballerina, deren Karriere bei einem Auftritt ein jähes Ende findet. Ihr Onkel, angestellt beim russischen Auslandsnachrichtendienst, lässt ihr nicht wirklich eine Wahl und bringt sie ins "Sparrow"-Programm, bei dem sie zu einer rücksichtslosen Sex-Agentin ausgebildet wird...

Sicherlich basiert "Red Sparrow" auf dem gleichnamigen Buch von Ex-CIA-Mitarbeiter Jason Matthews und dieses basiert wiederum auf realen Fakten laut ihm - zumindest solange sein ehemaliger Arbeitgeber diese "Fakten" genehmigt. Worauf will ich hinaus ? Man sollte sich bei einer Erzählung, die offensichtlich vorher auf Details geprüft und von einer Geheimorganisation als "akzeptabel" akzeptiert werden musste, von Anfang an klar sein, dass man es nicht unbedingt mit ungefilterter Wahrheit zu tun haben könnte; witzig, dass dieser Umstand fast nirgendwo im öffentlichen Raum angezweifelt wird.

Was auf jeden Fall über jeglichen Zweifel erhaben ist, ist die Schauspielleistung und vor allem Jennifer Lawrence zeigt wieder, dass sie sich für keine Rolle zu schade ist. Im Zentrum des Films stehen aber eindeutig die offene Brutalität, nackte Haut und die Gegenüberstellung von USA und Russland, bei dem die Ersteren herzensgute Wohltäter und Engel, während die Letzteren die perversen und sadistischen Schweine sind. Nichts Neues aus der Traumfabrik, aber mit so einer Intensität und sogar wenn der Schauspieler von Dominikas Onkel wie Putin aussieht - dann sollte man sich ganz bewusst sein, was die Intention des Streifens sein sollte. Mal von den allgemeinen Logikfehlern, ausgehend davon, dass eine bekannte Ballerina sich als Geheimagentin eignet, ganz abgesehen.

Fazit: Zweifellos toll gedreht, geschnitten, geschauspielert, musikalisch untermalt - und dennoch nicht rein von einer etwas zu offensichtlichen Agenda.

Sonntag, 15. Juli 2018

"MI"-Special: "Mission: Impossible 3" (2006)

Story: Ethan Hunt wird von Meisterkriminellen Owen Davian zurück in den IMF-Dienst gezogen und das obwohl er sein Agentenleben für die anstehende Hochzeit mit seiner Frau Julia aufgegeben hat...

6 Jahre nach einer tonal merkwürdigen Fortsetzung brachte J.J. Abrams mit seiner allerersten Regiearbeit die Franchise zurück und verpasste ihr wiederum einen komplett anderen Ton im Vergleich zu den vorherigen beiden Teilen: "Mission Impossible" wurde zu einem Sommer-Blockbuster à la Spielberg. Inszenatorisch war die Reihe davor noch nie größer und spektakulärer und die Action wohl nie so rasend und rasch. So sehr, dass man als Zuschauer kaum Zeit zum Verschnaufen hat wegen all der knallharten und rasanten Action, die da auf einen einprasselt.

Was diesen Teil auf jeden Fall auszeichnet ist der Bösewicht: Philipp Seymour Hoffman als Owen Davian zu besetzen war wohl eine der besten Entscheidungen auf die gesamte Reihe bezogen, denn einer der besten Charakterdarsteller aller Zeiten gibt hier nicht nur den mit Abstand besten Bösewicht der Reihe, sondern vielleicht sogar einen der besten Bösewichte aller Actionfilme ab. Er hat einfach die magnetisierende Aura und das Charisma, sodass er in jeder seiner Szenen im Mittelpunkt steht und dem eigentlichen Star Tom Cruise die Show stiehlt; er hat genau die passende Portion an diabolischer Bosheit, Coolness und Stil, um einen klassischen Actionfilm-Bösewicht zu mimen. Tom Cruise liefert hingegen eine fast schon "gewöhnliche" Darstellung als Ethan Hunt ab und schmeißt sich liebend gern auf den Boden, in Autos und ist das perfekte Herzstück für eine tolle One-Shot-Rennszene.

Fazit: Tolles Popcorn-Kino mit einem tollen Helden und noch tollerem Bösewicht, das wieder mehr Adrenalin in die Franchise reingebracht hat und definitiv den Puls beim Zuschauen erhöht.

Samstag, 14. Juli 2018

Serien-Kritik: "Safe" (Staffel 1)

Story: Chirurg Tom hat immer noch an dem Tod seiner Frau zu knabbern und muss sich nebenbei um seine beiden Töchter Jenny und Carrie kümmern. Eines Abends geht Jenny zu einer Party und kommt nicht zurück; so muss Tom auf eigene Faust seine Tochter finden und nebenbei ein Netz aus Lügen und Intrigen in seiner Nachbarschaft entwirren...

Lieblings-Charakter: Ganz klar Tom, aber mit einem charismatischen Michael C. Hall dahinter auch keine schwer zu treffende Entscheidung.


Ungeliebter Charakter: /


Lieblings-Episode: Gibt es nicht wirklich, da jede Episode etwas Spannung abbaut, nur um wieder neue aufzubauen; in der Hinsicht perfekt zum Bingen.


Meine Meinung zur Serie: Eine "kleinere" Serie über eine mysteriöse Nachbarschaft, in der Michael C. Halls Charakter ausnahmsweise mal einer der Guten ist und alles aufklären soll - klingt auf jeden Fall nach einer interessanten Serie und das ist "Safe" zweifellos. Anders als bsw. "Dark" versucht man sich nicht in schier unendlichen philosophischen Monologen über Gott und die Welt, sondern man stellt ein Rätsel auf, dessen Lösung sich nur über weitere Rätsel finden lässt. In dieser Hinsicht macht "Safe" eigentlich auch alles richtig, strapaziert seine Grenzen nicht und weiß genau, wann es aufhören muss. Ein kleiner Geheimtipp unter all den ganzen großen und bekannten Netflix-Serien.

Freitag, 13. Juli 2018

"MI"-Special: "Mission: Impossible 2" (2000)

Story: Die IMF soll mit der Hilfe von Ethan Hunt das absolut tödliche Virus "Chimera" vor dem Verbreiten stoppen, wobei Ethan auf einen Ex-Kollegen trifft...

Angeblich war Tom Cruise höchstpersönlich die treibende Kraft für die Idee mit den wechselnden Regisseuren, was sich in diesem Teil noch nicht als eine Spitzenidee erwiesen hat; dies hat damit zu tun, dass dies hier erst der zweite Teil der Reihe war und was genau "Mission Impossible" ausmacht wurde noch nicht genau festgelegt (weswegen man etwas experimentieren konnte). Der Konsensus scheint zu sein, dass dies der bisher schlechteste Teil der gesamten Reihe ist und das genau weil er sich tonal mit am meisten von den anderen unterscheidet; wenn man allerdings John Woo als Regisseur verpflichtet, dann kann man auch nicht einen typischen Spionenfilm erwarten.

Wo John Woo drauf steht ist auch John Woo drin: Slow-Motion, Tauben, durchchoreographierte Kampfszenen und auch ansonsten hochstilisierte Szenen. Sagte ich, man kann nicht einen typischen Spionenfilm erwarten ? Dies stimmt nicht so ganz, denn Woo hat offensichtlich Gefallen an "James Bond"-Streifen gefunden, denn Ethans Spionagearbeit ist zumeist sehr egoistisch und er stellt die Mission nicht über alles wie im ersten Teil. Charakterlich ist er ein abgebrühter Playboy, Gentleman und Kampfmaschine in einem - in dieser Hinsicht bewegt er sich deutlich vom "Jason Bourne"-Typ zum "James Bond"-Typ hin. Der vorher erwähnte Stil ist teils zu cool für das Wohl des Streifens, allein die Motorradszene ist ein guter Beleg dafür; der Film nimmt sich so sehr ernst, wenn es um den Virus geht, aber abseits davon werden einem knackig-locker-obercoole Actionszenen präsentiert...natürlich mit Slow-Motion und Tauben, dafür auch mit sich real anfühlenden Choreographien und Stunts (was in bestimmter Hinsicht zu einem der Markenzeichen der Franchise wurde).

Fazit: Ist "M:I 2" denn nun ein toller oder schlechter Film ? Weder noch. Es steckt einfach zu viel Arbeit und Liebe zur Action, als dass man ihn ernsthaft hassen könnte, aber andererseits tut er charakterlich absolut nicht herausragen. Irgendwie ein Produkt der Zeit.

Donnerstag, 12. Juli 2018

"Deadpool 2"

Story: Deadpool genießt sein Auftragskiller-Dasein in vollen Zügen und er könnte sogar bald Papa werden. Doch wird unser Antiheld jäh seinem Glück entrissen und stürzt sich nach mehreren Suizidversuchen auf die Fürsorge eines launischen jungen Mutanten namens Russell, der von einem mysteriösen Mann namens Cable zu verfolgt werden scheint...

Ganz ehrlich: Ich bin kein großer Fan des ersten "Deadpool"-Films, aber vielleicht liegt es auch daran, dass ich ihn unter Umständen mehrfach gesehen habe. Problematischerweise sank meine Meinung bei jedem Anschauen immer weiter, da die Gags für mich ausgelutscht und die Handlung an sich viel zu dünn war, um nachhaltig noch Substanz zu bieten. Womit wir schon beim zweiten Teil wären, der einerseits besser und andererseits schlechter ist als der erste. Wie kann das sein ?

Einerseits war der erste Film in der Machart, Marketing-Kampagne, Stil und Ton recht einzigartig und sorgte für eine verstärkte Aufmerksamkeit für erwachsenere Filme. Zudem war Meta-Humor 2016 frischer als 2018. Andererseits hatte dieser die wohl konventionellste Handlungsstruktur überhaupt: Mann und Frau lieben sich, Mann erleidet Tiefpunkt, ihm wird die Frau weggenommen und er holt sie sich eben zurück, um am Ende mit einem Kuss zu triumphieren. Zudem funktionieren die meisten Gags aus "Deadpool" lediglich beim ersten Mal, wie z.B. die Bezeichnungen für die Filmverantwortlichen, da der Überraschungseffekt noch wirkt. Abseits von einigen Action-Szenen, Humor unterster Schublade, Meta-Humor, Anspielungen und charismatischem Ryan Reynolds bleibt da nicht wirklich was übrig für den eventuell fünften oder auch schon dritten Blick.

Die Fortsetzung fügt in der Hinsicht ein wichtiges Element hinzu, nämlich den verstärkten Fokus auf Drama. Der erste Teil hatte zwar auch etwas Drama, blieb dabei aber nahezu ausschließlich auf den Humor fokussiert und blieb so nicht wirklich im Kollektivgedächtnis hängen. Genau hier hat "Deadpool 2" eventuell eine Chance, denn man durchbricht nicht nur eine wiederum konventionelle Handlungsstruktur im Punkt der Held-Bösewicht-Beziehung, man versucht sich auch in (extrem) ernst gemeinten Dramamomenten, die sich durch den ganzen Film ziehen (und nicht nur für den Anfang beschränkt sind). Meiner Meinung nach gelingt dem Film das Drama nicht (was ja auch Absicht sein könnte), aber man muss den Filmemachern zugute halten, dass sie Tiefe reinbringen wollten.

Fazit: Insgesamt will der Film sehr viel mehr als noch im Vorgänger und dabei stolpert er öfters über sein Vorhaben, aber mit Stolz. Die Qualität ist in meinen Augen etwas stimmungsabhängig, aber dieser Streifen wird als Film eine längere Halbwertszeit haben als sein Vorgänger.
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